Gero von Boehm

In der an Tragödien überreichen
Familiengeschichte der Kennedys gibt es immer wieder geeignete Anlässe für neue Publikationen. Nun, da sich die Ermordung von John F. Kennedy zum 40. Mal jährt, raschelt es wieder einmal besonders heftig im Blätterwald. Dass trotz der anhaltenden Bücherflut die Zugkraft des Mythos Kennedy beim Publikum ungebrochen ist, mag auch den Dokumentarfilmer Gero von Boehm dazu bewogen haben, just zu diesem Zeitpunkt seinen opulent ausgestatteten gleichnamigen Bildband vorzulegen...>>weiter

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Luciano Canfora

Er dürfte der einzige Herrscher Roms sein
, der bis heute verehrt und betrauert wird. Den Altar im Forum Romanum, wo der Leib des Gemeuchelten an den Iden des März 44 v. Chr. feierlich verbrannt wurde, schmücken stets frische Blumen. Von kaum einer antiken Gestalt ging über die Jahrhunderte eine derartige Faszination aus wie von Gaius Iulius Caesar -- für die einen der Archetypus des skrupellosen Machtmenschen und Usurpators, für die anderen ein Erlauchter -- ja Erleuchteter -- mit dem Zeug zum gerechten König und Retter des Vaterlandes in den Zeiten des republikanischen Verfalls...>>weiter

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Rudi Dutschke, Gretchen Dutschke (Hg.)

Jede Revolution hat ihre Helden
und Mythen. Das gilt im Prinzip auch für die 68er-Studentenrevolte in Deutschland. Wären da nicht die Schrecken des RAF-Terrors gewesen und die enttäuschenden Resultate des "Marsches durch die Institutionen". Rudi Dutschke ist einer der wenigen, die über jeden Zweifel erhaben geblieben sind. Rund ein Vierteljahrhundert nach seinem allzu frühen Tod an den Spätfolgen eines Attentats hat seine Witwe Gretchen nun die Tagebücher des Revoluzzers veröffentlicht. Keine leichte Kost, wie sich denken lässt, wenn man den linksradikalen Schwadroneur noch im Ohr hat...>>weiter

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Detlev Claussen

Nachkriegsgenerationen junger Menschen fanden in diesem heimgekehrten Exilanten, für den der Albtraum vom Weiterleben nach dem Weltuntergang gelebte Wirklichkeit geworden war, eine der wenigen glaubwürdigen Autoritäten. Heute erinnert man sich an das Idol der Achtundsechziger, wenn überhaupt, allenfalls als einen akademisch überholten elitären Ästheten aus einer längst vergangenen Epoche. Ein unerträglicher Zustand nicht nur für Detlev Claussen, der seinem 1969 viel zu früh verstorbenen Mentor Theodor W. Adorno anlässlich seines 100. Geburtstages ein literarisches Denkmal setzt...>>weiter

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Joseph J. Ellis

Patriotische Ekstase
und nationalistischer Stolz gehören zu den Kennzeichen fast aller postrevolutionären Staaten. Und in kaum einem anderen werden sie mit Fähnchen und Hymnen so voller Inbrunst kultiviert wie in den USA. Nicht zu vergessen der Personenkult, einmal mehr augenfällig geworden in dem ungeheuren Anklang, den Joseph J. Ellis mit seinem enttäuschenden Bestseller Founding Brothers. The Revolutionary Generation fand, der zwei Jahre nach Erscheinen unter dem Titel Sie schufen Amerika. Die Gründergeneration von John Adams bis George Washington nun auch auf Deutsch vorliegt...>>weiter

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Matthias Geis, Bernd Ulrich

Halbherzigkeiten sind seine Sache nicht
. Wenn Joschka Fischer etwas macht, dann geht er ganz in seiner Rolle auf. Und wenn er von etwas überzeugt ist, entwickelt er enorme Energien, andere auf seinen Weg zu zwingen. Das Problem ist nur, dass er scheinbar von nichts lange überzeugt ist, was ihn nicht weiterbringt. Das hat ihm den Ruf des Opportunisten eingebracht. Dass es sich der Metzgersohn aus der württembergischen Provinz auf seinem windungsreichen Marsch durch die Institutionen moralisch niemals leicht gemacht hat, belegen die Journalisten Matthias Geis und Bernd Ulrich...>>weiter

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Eduard Gugenberger

Neuheidnische Riten
und Runenzauber allüberall. Mit Bedacht wurde die zum Hakenkreuz verdeutschte Swastika als "Zeichen des Heils" zum Symbol der Bewegung erkoren. Hitlers Wahn für Wagners Welt der germanischen Götter und Helden ist legendär. Und Reichsführer SS Heinrich Himmler gefiel sich in der Rolle des Großmeisters eines aus rassischer Zuchtwahl hervorgegangenen Totenkopfordens hünenhafter schwarzer Ritter. Der Nationalsozialismus letztlich eine Ausgeburt der Esoterikwelle der 1920er-Jahre?...>>weiter

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Jürgen Hogrefe

Erklärten Wertkonservativen
ist Gerhard Schröder natürlich ein Dorn im Auge. Ein Mann, der seinen Schliff nicht auf dem humanistischen Gymnasium, sondern auf der Straße erhielt, ein sinnenfroher Alt-68-er mit großer Klappe und ausgeprägtem Ego, vier Mal verheiratet, dazu ungewöhnlich ehrgeizig und dabei nicht immer frei von Opportunismus. Ausgerechnet dieser Antityp von Helmut Kohl regiert das Land. Doch auch aus den eigenen Reihen der SPD blies dem vermeintlichen Mann ohne Gewissen und Prinzipien, dessen einzige Vision bösen Zungen zufolge die Kanzlerschaft gewesen ist, ungewöhnlich starker Wind entgegen...>>weiter

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John Cornwell

Kaum ein Nachfolger Petri der jüngeren Geschichte hat die Meinungen derart polarisiert wie Pius XII., der Papst der geschwiegen hat. Der am Jesus College in Cambridge lehrende britische Vatikanexperte John Cornwell spürt in seinem ebenso spannenden wie profunden Buch, das im Original den wesentlich provokanteren Titel Hitler’s Pope. The secret history of Pius XII. trägt, den dafür ursächlichen Widersprüchen in Persönlichkeit und Wirken des Eugenio Pacelli nach, der von 1939 bis 1958 als selbststilisierter „Stellvertreter Christi auf Erden“ auf dem Heiligen Stuhl saß...>>weiter

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Ian Kershaw

Das Warten hat sich gelohnt
. Mit einem Jahr Verspätung hat Ian Kershaw sein 1998 erschienenes, viel gelobtes Buch Hitler 1889 - 1936 durch einen zweiten Band ergänzt, der die Jahre 1936 - 1945 behandelt. Auf gut 1000 Seiten (zuzüglich 300 Seiten Anhang) schildert der britische Historiker den Aufstieg des Diktators zum Zenit der Macht und seinen jähen Absturz bis zum bitteren Ende im Bunkerlabyrinth unter der Berliner Reichskanzlei...>>weiter

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Manfred Kühn

In der Geringschätzung
ihrer kulturellen und auch sonstigen Leistungsträger sind die Deutschen ja bekanntlich unschlagbar. Und dieser unschöne Zug hat offenbar eine längere Tradition. Die Art und Weise jedenfalls, wie schon bedeutungslose Neider unter den Zeitgenossen begannen, die Person des unbestrittenen deutschen Philosophenkönigs Immanuel Kant (1724–1804) zur Karikatur herabzuwürdigen, noch ehe seine Leiche richtig kalt war, ist geradezu phänomenal. Kant wurde in den Werken seiner spärlichen Biografen zu einer "flachen Persönlichkeit" degradiert. Zu Unrecht, wie Manfred Kühn überzeugend darlegt...>>weiter

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Jacques LeGoff

Er besaß Nächstenliebe und geregeltes, tugendhaftes Mitlied, und er vollbrachte die Werke der Barmherzigkeit, indem er die Armen und Kranken beherbergte, ihnen zu essen und zu trinken gab, sie kleidete, besuchte und tröstete, ihnen in eigener Person zu Diensten war und sie unterstützte." Inwieweit dieses von den Hagiographen gezeichnete Bild von Ludwig dem Heiligen deckungsgleich ist mit dem weitgehend unbekannten Ludwig IX. aus Fleisch und Blut, untersucht Jacques LeGoff in seiner prachtvollen Monographie über den großen französischen Staatsmann und Monarchen...>>weiter

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Reinhold Michels

Die Rechten stempelten ihn
schlicht zum Baader-Meinhof-Sympathisanten, die Linken zum "liberalen Scheißer". Seit Otto Schily als Bundesinnenminister vorführt, dass auch ein "Sozi" energisch für innere Sicherheit und mehr Realismus in der Zuwanderungspolitik streiten kann, gilt er den einen als opportunistischer Karrierist, den anderen als "Kanther ohne Scheitel". Dass er sich bei ihm zwar um einen "seltenen Vogel unter vielen Sperlingen" im Berliner Politikbetrieb handelt, beileibe aber keinen Wendehals, macht Reinhold Michels deutlich...>>weiter

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Ferdinand Piëch

Seine Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen
. Knapp ein Jahrzehnt nachdem Ferdinand Piëch als Sanierer an die Spitze des kränkelnden Volkswagen-Konzerns wechselte, glänzt das Wolfsburger Traditionsunternehmen mit Superlativen: Von umgerechnet fast einer Milliarde Euro in den Miesen auf zuletzt 2,9 Milliarden Nettogewinn, Vervierfachung der Jahresproduktion bei mehr als verdoppelter Modellpalette und beinahe ein Drittel mehr Beschäftigte als 1993 nötigen Respekt ab. Nicht zu vergessen die Emanzipation von Audi, die Rettung der angeschlagenen Tochter Seat, die Verwandlung der tschechischen Rennpappefabrik Skoda in einen ernst zu nehmenden Autobauer…>>weiter

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Norbert F. Pötzl

Der Staat bin ich
! Fast zwei Jahrzehnte lang regierte Erich Honecker die DDR nach dem Motto des Sonnenkönigs wie ein absolutistisches Duodezfürstentum. "Mir ist nie klar geworden, wie dieser mittelmäßige Mann sich an der Spitze des Politbüros so lange hat halten können", lästerte Helmut Schmidt. Intellektuell sicherlich keine Leuchte, schlicht in seiner Weltsicht und dabei alles andere als charismatisch, hatte dieser schwer unterschätzte mausgraue Apparatschik einfach einen ungeheuren Machtinstinkt…>>weiter

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Maurice Philip Remy

Er wählte Ungnade
, wo Gehorsam nicht Ehre brachte. Zu dieser Überzeugung gelangt Maurice Philip Remy in seinem Buch zu dem gleichnamigen TV-Dreiteiler Mythos Rommel, in dem er den Widersprüchen in der Persönlichkeit des wohl populärsten Generals des Zweiten Weltkrieges auf den Grund geht. Nicht dass es ihm keine Schwierigkeiten bereiten würde, die merkwürdige Liebe seines Protagonisten zu seinem „Führer“ bis in den erzwungenen „Freitod“ nachzuvollziehen. Die Stilisierung Erwin Rommels zum strammen Nazigeneral weist er aber ebenso zurück wie das Kriegsverbrecher-Verdikt...>>weiter

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John C. G. Röhl

Er gilt als Hansdampf
der deutschen Geschichte. Zu Unrecht! Vorbei sind die Zeiten, in denen Kaiser Wilhelm II., von der Geschichtswissenschaft zum harmlosen Spinner und Maulhelden degradiert, quasi apologetische Narrenfreiheit genoss. Entgegen dem Mainstream macht John C. G. Röhl im zweiten Band seiner monumentalen Biografie Wilhelm II. Der Aufbau der Persönlichen Monarchie den letzten Herrscher der Hohenzollern auf dem Thron von Preußen und dem Deutschen Reich zur entscheidenden Schlüsselfigur auf dem fatalen Weg von Bismarck zu Hitler...>>weiter

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Uwe Soukup

Er personifizierte die Geschichte
der Deutschen im letzten Jahrhundert in fast einzigartiger Weise. Wie an einer Zeitleiste lassen sich an seiner Vita die großen Ereignisse und Zäsuren festmachen. Die Rede ist von Raimund Werner Pretzel, besser bekannt unter seinem Pseudonym Sebastian Haffner. Unter dem mit Bedacht gewählten Titel ICH BIN nun mal Deutscher hat Uwe Soukup zwei Jahre nach dem Tod des 91-Jährigen nun eine äußerst wohlgesinnte Biografie über den ebenso hochdekorierten wie umstrittenen Publizisten, begnadeten Geschichtenerzähler und scharfsinnigen Analytiker vorgelegt...>>weiter

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Ed Stuhler

Totalitäre Staaten
zeichnen sich typischerweise durch Indoktrination ihrer Jugend aus. Bemerkenswert ist deshalb, dass der friedliche Umsturz in der DDR ausgerechnet von einer Generation betrieben wurde, die zeitlebens in Zwangskollektiven hinter Mauer und Stacheldraht sozialisiert wurde. "So wie dieses Volk aufgetreten ist, da kann man doch nicht behaupten, dass diese Leute nicht selbstbewusst waren." So parierte nach der Wende eine Frau beinahe stolz den Vorwurf altpreußischer Untertanenmentalität im DDR-Sozialismus. Ihr Name: Margot Honecker, ehemalige "Mutter der Nation" und 25 Jahre lang Volksbildungsministerin…>>weiter

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Reinhard Urschel

Seine Karriere hätte das Zeug
zum amerikanischen Traum. Intelligenz und Ehrgeiz gepaart mit Zielstrebigkeit und Wendigkeit, vor allem aber Nehmerqualitäten und harte Ellbogen, das ist es, womit Gerhard Schröder, Sohn einer Kriegerwitwe aus lippischem Armenhaus, die Schalthebel der Macht erobert hat. Am Ende seiner ersten Amtszeit als deutscher Bundeskanzler raschelt es gewaltig im Bücherwald. Eine der bis dato besten, weil umfassendsten und informativsten Biografien hat dabei Reinhard Urschel vorgelegt, ein ausgezeichneter Kenner von Mensch und Materie, gehörte er doch schon in Niedersachsen zum harten Kern der Journalistenentourage um Schröder...>>weiter

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Francis Wheen

Inzwischen haben es auch
die ultraorthodoxen Marktwirtschaftler gemerkt: Karl Marx war ein wirklicher Kenner des Kapitalismus! Wenige Jahre nach dem unrühmlichen Ende des Sowjetimperiums feiert der Gottvater des einstigen Feindes im Zeichen der Globalisierung beim ideologischen Gegner ein kurioses Comeback. Francis Wheen, Kolumnist des britischen Guardian, ist überzeugt: Kaum ein Prophet seit Jesus Christus ist so glühend verehrt und so gründlich fehlinterpretiert worden wie der "Prometheus aus Trier"...>>weiter

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Ferenc Majoros

Charles de Coster verspottete ihn in seinem 1867 erschienenen belgischen Nationalepos Ulenspiegel noch als Protestantenfresser und blutrünstigen Knecht der Heiligen Inquisition. Und in den Geschichtsbüchern werden die Gräuel des Sacco di Roma und der Konquista wohl auf ewig mit dem Namen Karl V. verbunden bleiben. Dennoch, ein halbes Jahrtausend nachdem er im Jahre 1500 als Sohn Philipps des Schönen von Kastilien und Johanna der Wahnsinnigen in Gent das Licht der Welt erblickte, drängt jetzt eine Fülle von neuen Biografien auf den Buchmarkt, die den Habsburger Monarchen in wesentlich milderem Licht erscheinen lassen...>>weiter

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Ferdinand Seibt

Die Goldene Bulle und die Goldene Stadt -- wenn überhaupt, so sind sie es, die Kaiser Karl IV. jenseits der Grenzen seiner böhmischen Stammlande bescheidenen Nachruhm eintrugen. Er war nicht geboren zum strahlenden Helden, sondern liebte den Frieden, kultivierte das Bild vom weisen König und war ansonsten eher rastloser Arbeiter als prunkvoller Herrscher. Um den Luxemburger auf dem Prager Thron aus der geschichtlichen Versenkung zu holen und ins rechte Licht zu rücken, bedurfte es eines Historikers aus Böhmen und eines Jubiläumsjahres..>>weiter

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Anthony Sampson

Am Ende eines Jahrhunderts des Hasses und der Barbarei, nicht selten genährt durch einen an Irrationalität kaum zu überbietenden, verhängnisvollen Rassismus, gehört er zweifellos zu den wenigen Lichtgestalten: Nelson Mandela. Ein Mann wie Hiob -- nur weniger entrückt -- vom Format eines Mahatma Gandhi -- nur weniger asketisch --, scheinbar auserwählt, auf dem Weg zur wahren Zivilisation voranzuleuchten und das letzte Fünkchen Hoffnung auf das Gute im Menschen am Glimmen zu halten...>>weiter

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