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Erster Weltkrieg
„Jeder Schuss ein Russ’,
jeder Stoß ein Franzos’, jeder Tritt ein Brit’”, so tönte es im Sommer
1914 lautstark aus allen Gassen Deutschlands. Voller Begeisterung
zogen Tausende Freiwillige unter dem Jubel der Bevölkerung als
Soldaten in den Krieg. Bis Weihnachten, so meinte man siegesgewiss,
werde der Feind bezwungen sein. Doch selbst nach dem vierten
Weihnachtsfest, das ins Land ging, also im Dezember 1917, war die
Sache längst noch nicht ausgestanden. Und mit dem Heldenmut war es an
der Front schnell vorbei, wie der Feldpostbrief eines jungen Soldaten
belegt: „Liebe Mutter. Jetzt weiß ich was Krieg ist. Er ist trauriges
Elend. Jetzt sitzen wir schon acht Tage hier im Schützengraben, und es
ist so kalt. Hier auf dem Berg sind große Massengräber. Von 240 Mann
sind noch 40 da. Mein einziger Wunsch ist, ich wollte der Krieg wäre
vorbei.”
VOM EUROPÄISCHEN ZUM WELTWEITEN KRIEG
Mitte des Jahres 1914
entbrannte ein Krieg, in den zum ersten Mal seit 100 Jahren fast
sämtliche Länder Europas verwickelt wurden. Bis zu seinem Ende im
November 1918 hatte er sich zum ersten Weltkrieg in der Geschichte der
Menschheit ausgeweitet. Insgesamt 32 Staaten waren beteiligt. Die
ganzen vier Jahre hindurch wurde er an fast jedem Schauplatz mit den
Waffen und Sprengstoffen des Industriezeitalters geführt und forderte
daher so viele Todesopfer wie kein Krieg jemals zuvor: rund 15
Millionen.
DER „SÄBELRASSLER”
Dieser Krieg lag schon
Jahre vor seinem Ausbruch in der Luft. Bereits seit Jahrzehnten ließen
die europäischen Mächte ihre Muskeln spielen und wetteiferten um den
Vorrang. Als besonders lauter „Säbelrassler” hatte sich der deutsche
Kaiser Wilhelm II. hervorgetan. Sein Aufbau einer modernen
Kriegsflotte weckte Argwohn, so dass Großbritannien, Frankreich und
Russland vorsichtshalber Verträge schlossen, die wenigstens einen
Krieg untereinander ausschließen sollten. In Deutschland fühlte man
sich nun eingekreist und rüstete erst recht weiter auf. Als
verhängnisvoll erwies sich auch die Begeisterung für alles
Militärische in dieser Zeit. So trumpfte man mit Waffen und Armeen auf
und brannte förmlich darauf, endlich die Kräfte messen zu können.
Kriegsbegeisterung
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| Die Kriegsbegeisterung bei der deutschen Jugend
war auch eine Folge der Erziehung. Pickelhauben (das ist der
preußische Helm mit der Metallspitze), Spielzeugsäbel und
Zinnsoldaten gehörten zum alltäglichen Spielzeug. Der
Matrosenanzug war das Festtagsgewand der Kinder. 1914 gab das
Innenministerium ein Kinderbuch mit dem Titel Wir spielen
Krieg heraus. In den Rechenbüchern mussten Aufgaben gelöst
werden, in denen es um die Reichweite von Geschützen, die
Schwere von Geschossen, die Flächen besetzter Gebiete oder die
Anzahl von Kriegsgefangenen ging. |
ENDLICH EIN ANLASS ZUM LOSSCHLAGEN
Ein geeigneter Anlass
zum Krieg bot sich, als der österreichische Thronfolger Franz
Ferdinand und seine Frau am 28. Juni 1914 in Sarajevo von serbischen
Attentätern ermordet wurden. Diese Attentäter kämpften für die
Befreiung ihrer Landsleute aus dem Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn.
Der deutsche Kaiser Wilhelm II. sprang sogleich dem österreichischen
Kaiser Franz Joseph I. zur Seite und ermutigte ihn, Serbien den Krieg
zu erklären. Dies geschah am 28. Juli 1914. Gleichzeitig warnte
Wilhelm II. den russischen Zaren Nikolaus II., der mit Serbien
verbündet war, sich einzumischen – vergeblich. So erklärte das
Deutsche Reich am 1. August 1914 Russland den Krieg.
Mittelmächte und Alliierte
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| Die beiden Kriegsparteien im 1. Weltkrieg werden
als Mittelmächte und Alliierte bezeichnet. Die Mittelmächte - so
benannt nach ihrer geographischen Lage mitten in Europa - waren
zunächst das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn, später kamen
die Türkei und Bulgarien als Verbündete hinzu. Deren Gegner, die
Alliierten (auch Entente genannt), waren bei Kriegsausbruch vor
allem Russland, Frankreich und Großbritannien; ihnen schlossen
sich später u. a. Italien und Japan an. Die USA zogen 1917 auf
der Seite der Alliierten in den Krieg, traten den Alliierten
aber nicht bei, sondern blieben „assoziierte Macht”. |
WILHELMS RAFFINIERTER PLAN
Da Wilhelm II. zu
Recht fürchtete, dies könnte die anderen Großmächte gegen ihn
aufbringen, wollte er ihnen zuvorkommen. Er hatte für diesen Fall
schon vor Jahren mit seinem obersten General Alfred Graf von
Schlieffen einen Plan geschmiedet. Dieser „Schlieffenplan” sah vor,
Frankreich in einem „Blitzkrieg” vorbeugend niederzuwerfen, damit es
dem Deutschen Reich nicht in den Rücken fallen konnte, wenn dieses im
Osten gegen Russland kämpfte.
DER BLITZKRIEG ENDET IM STELLUNGSKRIEG
Dieser Plan sollte
nun in die Tat umgesetzt werden. Das Deutsche Reich erklärte
Frankreich am 3. August 1914 den Krieg und begann den Angriff gegen
den Nachbarn im Westen. Doch auf dem Weg nach Frankreich durchquerten
die deutschen Truppen das neutrale Belgien, das unter dem Schutz
Großbritanniens stand. So erklärte am 4. August 1914 die Regierung in
London dem Deutschen Reich den Krieg. Aus dem erhofften Blitzkrieg
wurde nun nichts mehr.
Der deutsche Angriff
wurde von französischen und englischen Truppen kurz vor Paris gestoppt
und mündete in einen zermürbenden Stellungskrieg. Ab dem November 1914
standen sich die feindlichen Heere nun in einer geschlossenen Front
gegenüber, die sich von der Nordsee bis zu den Alpen erstreckte. Sie
verschanzten sich in nahezu unüberwindlichen Festungen und fügten
einander unglaubliche Verluste an Menschen und Material zu – ohne
dabei nennenswert an Boden gutzumachen.
An der Ostfront, also
im Krieg gegen Russland, kam es nach anfänglichen Erfolgen für die
Deutschen ebenfalls zu einem Stellungskrieg. Die dringend benötigte
Verstärkung saß ja an der Westfront in Frankreich fest.
Die Oberste Heeresleitung
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| Die Oberste Heeresleitung (OHL) war die höchste
Kommandobehörde im Deutschen Reich. Sie bestimmte sowohl die
Kriegsziele als auch den Kriegsverlauf. Seit August 1916 wurde
die OHL von Feldmarschall Paul von Hindenburg und General Erich
von Ludendorff geleitet. Sie übten fast schon eine Art
Militärdiktatur aus, nahmen bei ihren Entscheidungen kaum
Rücksicht auf den Willen der zivilen Regierung und des
Parlaments und bestimmten auch die Innenpolitik im Deutschen
Reich mit. |
DEUTSCHLAND GEHT DIE MUNITION AUS
Bei Kriegbeginn hatte
die britische Flotte den Ärmelkanal und die Nordsee abgesperrt. Damit
waren die Mittelmächte Deutsches Reich und Österreich-Ungarn von
Nachschublieferungen abgeschnitten, und die stolze Flotte des Kaisers
war lahm gelegt. Auf einen längeren Krieg war man in Deutschland nicht
eingerichtet. Und so wurden bald Munition, Kriegsmaterial und
Lebensmittel knapp. Rasch wurde die heimische Produktion auf
Rüstungsgüter umgestellt, und da die jungen Männer an der Front waren,
mussten nun in den Fabriken die Frauen ran.
Die Frauen und der Krieg
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| Die Leistungen der Frauen, die an der
„Heimatfront” zu Millionen traditionelle Männerarbeiten
verrichteten, brachte sie auf dem Weg zur Gleichberechtigung
einen großen Schritt voran. |
DIE HÖLLE VON VERDUN
Inzwischen hatten
sowohl die Mittelmächte im Osten durch die Türken und Bulgaren als
auch ihre alliierten Kriegsgegner durch die Italiener und Japaner
Verstärkung bekommen. Um an der Westfront eine Entscheidung zu
erzwingen, konzentrierten sich die Deutschen 1916 auf die wichtige
französische Festung von Verdun. Es entbrannte eine beispiellose
„Materialschlacht”, die fast das ganze Jahr 1916 über dauerte.
Irgendeinen Gewinn brachte die Schlacht keiner Seite – aber sie
kostete fast 700 000 Soldaten das Leben …
Einen Eindruck von
der „Hölle von Verdun” vermittelt der Brief eines Soldaten: „Auf die
Sekunde pünktlich brüllen mehr als 1 200 Geschütze auf. Wir schießen,
schießen, schießen ohne Unterbrechung. Mittags beginnen die
Minenwerfer, das Getöse wird noch größer. Nachmittags steigert sich
unser Artilleriefeuer zum Trommelfeuer. Unsere Batterie schießt in der
Stunde etwa 200 Schuss. Dann kommt der Befehl: Schnellfeuer, und die
Hölle bricht los. Der Lärm ist unbeschreiblich.”
Krieg an der Westfront
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| Die Soldaten lagen sich an der Westfront in
Schützengräben gegenüber. Sturmangriffe, bei denen man den
Schützengraben verlassen musste, waren wegen der Feuerkraft der
Maschinengewehre und Granaten reiner Selbstmord. Erstmals kam
hier auch Giftgas zum Einsatz. Aber wehe, wenn der Wind falsch
stand - dann traf das Giftgas die eigenen Leute. An der
Westfront wurden auch erstmals Panzer aufgefahren; sie waren
eine britische Erfindung. |
AMERIKA GREIFT EIN
Um die Seeblockade zu
durchbrechen, setzten die obersten deutschen Feldherren, Paul von
Hindenburg und Erich Ludendorff, einen „uneingeschränkten
U-Boot-Krieg” durch. Das heißt, deutsche U-Boote griffen auch
nichtmilitärische Ziele wie z. B. Handelsschiffe an. Als dabei aber
auch amerikanische Schiffe zu Schaden kamen, die die Alliierten mit
Nachschub versorgten, griffen die USA am 6. April 1917 in den Krieg
ein. Gleichzeitig folgten auch asiatische und südamerikanische Staaten
dem Beispiel der USA – der europäische Krieg war endgültig zu einem
Weltkrieg geworden.
„SCHWARZER TAG DES DEUTSCHEN HEERES”
Im November 1917
fegte in Russland die Oktoberrevolution die Zarenherrschaft hinweg,
und am 3. März 1918 schloss die neue russische Regierung mit dem
Deutschen Reich den Frieden von Brest-Litowsk. Russland war damit aus
dem Krieg ausgeschieden. Deutschland konnte nun alle Kräfte an die
Westfront werfen und versuchen, dort eine Entscheidung herbeizuführen,
bevor die amerikanischen Truppen vollständig in Europa eingetroffen
waren.
Doch der deutsche
Angriff scheiterte nach einem hoffnungsvollen Auftakt. Im Juli 1918
gingen die Alliierten Frankreich und Großbritannien sowie die USA zum
Gegenangriff über, und am 8. August 1918 gelang ihnen der endgültige
Durchbruch durch die deutsche Front. Dieser Tag ging als „Schwarzer
Tag des deutschen Heeres” in die Geschichte ein. Damit war die
Niederlage der Mittelmächte besiegelt. Da hatte es auch nichts
geholfen, dass Russland als Gegner weggefallen war.
DIE KAPITULATION
Ebenso wie schon in
Russland im Jahr zuvor nahm nun auch im ausgehungerten Deutschland die
Kriegsmüdigkeit zu. Immer wieder kam es zu Streiks und Meutereien. Und
es regte sich auch immer größerer innenpolitischer Widerstand. Um die
Ehre der Armee zu retten, schoben die Generäle den „schwarzen Peter”,
also die Verantwortung, zuletzt den Politikern zu und überließen es
ihnen, um Frieden nachzusuchen. Dem Kaiser, der im Laufe des Krieges
immer kleinlauter geworden war, legten sie den Heldentod oder die
Abdankung nahe. Doch Wilhelm II. floh lieber nach Holland ins Exil.
So verkündete
Wilhelms Reichskanzler Prinz Max von Baden am 9. November 1918 das
Ende der Monarchie und ernannte den Sozialdemokraten Friedrich Ebert
zum neuen Reichskanzler. Zwei Tage später, am 11. November 1918,
unterzeichnete die neue deutsche Regierung im Wald von Compiègne
(nördlich von Paris) einen Waffenstillstand. Dieser Vertrag kam einer
bedingungslosen Kapitulation gleich, d. h., das Deutsche Reich
erkannte seine Niederlage an und ergab sich, ohne irgendwelche
Bedingungen zu stellen.
Österreich hatte
schon am 3. November ein Waffenstillstandsabkommen mit den Alliierten
geschlossen. Das Land war bereits zu diesem Zeitpunkt auf etwa seine
heutige Größe geschrumpft; die Tschechoslowakei und Ungarn z. B.
hatten sich als selbständige Staaten aus dem Vielvölkerreich
Österreich-Ungarn verabschiedet.
Die Novemberrevolution
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| Ende Oktober 1918 weigerten sich Matrosen der
deutschen Kriegsmarine, zum Gefecht gegen die englische Flotte
auszulaufen. Diese Meuterei war der Startschuss für die
Novemberrevolution, die sich die russische Oktoberrevolution von
1917 zum Vorbild genommen und rasch im ganzen Reich ausgebreitet
hatte. Am 9. November 1919 rief Karl Liebknecht in Berlin die
„Freie Sozialistische Republik” aus. Dies blieb jedoch ohne
Wirkung. Vielmehr wurde eine demokratische „Deutsche Republik”
errichtet, wie sie Philipp Scheidemann nur zwei Stunden zuvor
ausgerufen hatte. |
DER VERSAILLER VERTRAG
Während in
Deutschland nach dem Ende von Krieg und Monarchie die Weimarer
Republik allmählich Gestalt annahm, verhandelten bei Paris die
Alliierten über die Friedensverträge mit den besiegten Staaten. Die
Verlierer, also auch das Deutsche Reich, durften an den Verhandlungen
nicht teilnehmen. Das Ergebnis dieser Verhandlungen über das Deutsche
Reich war der Versailler Vertrag, so genannt, weil er am 28. Juni 1919
im Schloss von Versailles unterzeichnet wurde.
Die Deutschen
mussten den Vertrag so akzeptieren, wie ihn die Siegermächte
beschlossen hatten. Viele Deutsche lehnten den Vertrag mit seinen
harten Bedingungen ab; aber eine Möglichkeit, ihn noch abzumildern,
gab es nicht. Sowohl der Vertrag selbst als auch die Tatsache, dass
die junge deutsche demokratische Regierung, die von der SPD geführt
wurde, den Vertrag unterzeichnet hatte, sollte die Innen- und die
Außenpolitik der Weimarer Republik ganz entscheidend prägen – und
schließlich auch zum Ende der Weimarer Republik und der
Machtergreifung Hitlers beitragen.
Die wichtigsten
Bestimmungen des Versailler Vertrages waren: Das Deutsche Reich musste
insgesamt etwa 70 000 Quadratkilometer seines Gebietes abtreten (das
entspricht etwa der Größe des Bundeslandes Bayern) und verlor seine
Kolonien; es musste sein Heer auf 100 000 Mann reduzieren und alle
schweren Waffen abgeben; und das Deutsche Reich musste außerordentlich
hohe Reparationen (Entschädigungen) zahlen. Außerdem wies der Vertrag
Deutschland und seinen Verbündeten die alleinige Schuld am Ausbruch
des Krieges zu. Dies war der Punkt, der bei den Deutschen damals am
heftigsten umstritten und am schärfsten abgelehnt wurde; und noch
heute streiten sich die Wissenschaftler darüber, wer nun Schuld hatte
am Ausbruch des 1. Weltkrieges.
Für Kinder und
Jugendliche
verfasst von: Roland Detsch
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