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Faschismus
Der Faschismus gehörte
zu den massenwirksamsten und unheilvollsten politischen Erscheinungen
des 20. Jahrhunderts. Faschismus war ursprünglich die Bezeichnung für
die politische Bewegung von Benito Mussolini, der als selbst ernannter
„Duce” (Führer) 1922 in Italien die erste als solche bezeichnete
totalitäre Diktatur errichtete. Sie wurde zum Vorbild für eine ganze
Reihe weiterer politisch rechtsgerichteter Bewegungen in Europa, die
alle unter dem Oberbegriff Faschismus zusammengefasst werden. Heute
gehört das Wort „Faschist” zu den am häufigsten verwendeten
politischen Schimpfwörtern und steht für schlimme Eigenschaften wie
gewalttätig, brutal, herrschsüchtig, unterdrückend und diktatorisch.
WAS IST FASCHISMUS?
Der Faschismus
zeichnet sich vor allem durch folgende Merkmale aus: Er ist in hohem
Maße antidemokratisch (gegen die Demokratie) und antikommunistisch
(gegen den Kommunismus). An der Spitze einer faschistischen Bewegung
steht immer ein Führer, der von „seinem” Volk verehrt oder sogar
verklärt wird (Führerkult). Der einzelne Mensch im Volk aber zählt
nichts; im Mittelpunkt der Politik steht vielmehr das vermeintliche
Wohl der so genannten Volksgemeinschaft, hinter der alle Rechte,
Wünsche und Bedürfnisse des Einzelnen zurückstehen. Eine faschistische
Partei oder Bewegung herrscht alleine und diktatorisch
(Einparteienstaat) und versucht, alle Bereiche des Staates und der
Gesellschaft vollständig zu durchdringen. Auch ein übersteigerter
Nationalismus, die Hervorhebung des eigenen Volkes als etwas ganz
Besonderes, gehört zu den Merkmalen des Faschismus. Außerdem schließt
der Begriff Faschismus immer auch eine hohe Gewaltbereitschaft ein.
Und schließlich zeichnen sich faschistische Bewegungen zumeist durch
einen starken Willen zur Macht aus und scheuen nicht davor zurück,
diese Macht mit Gewalt zu erringen. Als faschistisch wird nicht nur
Mussolinis Diktatur in Italien bezeichnet, sondern auch alle
nationalistischen Diktaturen und Einparteienstaaten, die in der Zeit
zwischen den Weltkriegen entstanden.
BENITO MUSSOLINI
Der ehemalige
Sozialist und politische Wendehals Benito Mussolini (1883-1945) nutzte
die zerrütteten innenpolitischen Verhältnisse und die Schwäche der
parlamentarischen Demokratie in Italien nach dem 1. Weltkrieg
(1914-1918) aus. Seine Anhänger fand er hauptsächlich unter den
Bürgern der Ober- und Mittelschicht: Sie befürchteten eine
sozialistische Revolution und damit den Verlust ihrer Stellung und
ihres Eigentums und wandten sich deshalb Mussolini zu. In ihrem
Auftrag ging der „Duce” (sprich: Dutsche) mit seinen schwarz
uniformierten Schlägertrupps, den „Schwarzhemden”, gegen die
Sozialisten vor. Ende 1922 organisierte Mussolini mit 30 000
Schwarzhemden den so genannten Marsch auf Rom und zwang den
italienischen König Viktor Emanuel III., ihn zum Regierungschef zu
ernennen.
Römische Wurzeln
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| Der Begriff Faschismus ist recht unbestimmt.
Anders als beispielsweise Demokratie, Liberalismus, Sozialismus
oder Kommunismus enthält er nämlich keinerlei politische
Aussage. Eine Erklärung fiel selbst seinem Erfinder Benito
Mussolini schwer. Auf die Frage nach den geistigen Grundlagen
seiner Bewegung antwortete er: Er brauche keine. Handeln sei
wichtiger als Philosophie. Das Wort Faschismus kommt von den
italienischen fasci (sprich: faschi), der Bezeichnung für
Mussolinis Kampfbünde. Dieser Name leitet sich wiederum von den
lateinischen fasces ab. Das waren die mit Rutenbündeln
ummantelten Beile, die bei den alten Römern das Zeichen für die
Amtsgewalt hoher Beamter waren. Die italienischen Faschisten
machten sie zu ihrem Parteiabzeichen. Mussolini träumte vom
Wiederaufbau des Römischen Reiches und sah sich in der Nachfolge
der römischen Kaiser. |
DER WEG ZUM TOTALITÄREN EINPARTEIENSTAAT
Zunächst führte
Mussolini als Ministerpräsident eine Koalitionsregierung, in der seine
Faschisten in der Minderheit waren. Mussolini nutzte diese Zeit zur
Festigung seiner Macht. Unterstützt wurde er dabei von Wirtschaft,
Armee und der mächtigen Kirche. Und er wandelte seine Schlägertruppen
in eine ergebene Polizeitruppe um. Als seine Regierungskoalition wegen
Attentaten der Faschisten auf politische Gegner zerbrochen war, riss
Mussolini am 3. Januar 1925 durch einen Staatsstreich die Macht völlig
an sich und errichtete eine allumfassende, eine „totalitäre” Diktatur.
Politische Freiheitsrechte wurden außer Kraft gesetzt, politische
Gegner verfolgt, verhaftet, verbannt oder ermordet. Die Volksmassen
wurden in die Organisationen der Faschistischen Partei eingegliedert.
Eine Besserung der Wirtschaftslage und Zugeständnisse an den Vatikan
(die oberste Führung der katholischen Kirche in der Vatikanstadt)
sorgten für den nötigen Rückhalt im katholischen Italien.
Il Duce
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| Militärische Massenaufmärsche, Großkundgebungen
und die Allgegenwart des Duce prägten das Bild der
faschistischen Diktatur in Italien. Mussolini präsentierte sich
dabei als echter Volksführer: bei kampflustigen Auftritten in
Uniform ebenso wie in der Rolle des treu sorgenden
Familienvaters, des fleißigen Erntearbeiters oder des
ruhmreichen Sportlers. |
JUNIORPARTNER DES NATIONALSOZIALISMUS
Mussolinis
Machtphantasien – er wollte Italien zur Vormacht im Mittelmeerraum
machen – gingen mit der Eroberung Abessiniens (Äthiopien) 1935/36 und
der Besetzung Albaniens 1939 nur zu einem kleinen Teil in Erfüllung.
Aber gerade die Eroberung Abessiniens brachte zahlreiche Staaten gegen
Mussolini auf und trieb ihn geradezu in die Arme des
Nationalsozialisten Adolf Hitler. Seit Hitler 1933 in Deutschland die
Macht ergriffen hatte, hatte sich Mussolini ihm gegenüber eher
vorsichtig und abwartend verhalten. Nun verbündeten sich die beiden
totalitären Herrscher. Im 2. Weltkrieg (1939-1945) knüpfte Mussolini
sein eigenes Schicksal und dasjenige Italiens an den „Führer” Hitler.
Hatte Hitler in seinen früheren Jahren noch Mussolini nachgeeifert und
sich vieles von Mussolini abgeschaut, so betrachtete er Mussolini nun,
während des Krieges, mehr und mehr als untergeordneten Partner. Nach
der Landung der Alliierten in Italien 1943 wurde Mussolini von seinen
eigenen Gefolgsleuten abgesetzt und verhaftet. Deutsche Truppen
befreiten ihn und verhalfen Mussolini vorübergehend wieder ins Amt.
Allerdings regierte er nur über das noch von den Deutschen besetzte
Norditalien und war völlig von Deutschland abhängig. Als die Deutschen
in Italien geschlagen waren, versuchte Mussolini in die Schweiz zu
fliehen, wurde aber am 28. April 1945 auf der Flucht von seinen
eigenen Landsleuten erschossen.
Ähnlich, aber nicht gleich
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| Oft wird der Nationalsozialismus mit dem
Faschismus gleichgesetzt. Doch obwohl Hitler Mussolini anfangs
in vielem kopierte und mit Italien eng zusammenarbeitete, waren
Ideen, Zielsetzungen und Herrschaftspraxis in vielerlei Hinsicht
doch sehr verschieden. Vor allem der krankhafte Antisemitismus
der Nationalsozialisten, der zur Vernichtung der Juden führte,
war dem Faschismus völlig fremd. Mussolini behielt auch die
Monarchie bei und pflegte gute Beziehungen zur Kirche. Er
versuchte, einen so genannten Ständestaat zu schaffen, in dem
die wichtigsten gesellschaftlichen Kräfte wie Arbeitnehmer,
Arbeitgeber und Kirchen zusammenarbeiteten. |
FASCHISTISCHE MISSION
„Glaube, gehorche,
kämpfe!”, lautete ein Leitspruch des Faschismus. Seine Anhänger
betrachteten die moderne Kultur des Eigennutzes als Entartung und
strebten nach dem wahren Sinn der menschlichen Natur, der natürlich
von ihnen festgelegt wurde. Alle staatlichen, wirtschaftlichen und
privaten Unternehmungen sollten allein dem Wohl des gesamten Volkes
dienen. Die faschistischen Machthaber fühlten sich berufen, die Nation
einer höheren Bestimmung zuzuführen.
Ziel war es, einen
neuen, überlegenen Menschen zu schaffen, der sich durch körperliche
und geistige Vollkommenheit, Mut und Kühnheit auszeichnete.
Faschistische Politik war betont energisch und erzeugte beim Volk ein
Gefühl unerschöpflicher Tatkraft. Zum typischen Jugend- und
Männlichkeitswahn des Faschismus gehörte die uneingeschränkte Bejahung
von Gewalt und Kampf; sie galten als Ausdruck nationaler Gesundheit
und völkischen Durchsetzungsvermögens. Diese Geisteshaltung ging mit
einer beispiellosen Militarisierung der Politik einher, die in den
Schlägertrupps der Partei und in Parteiuniformen ihren sichtbarsten
Ausdruck fand. „Der Faschismus glaubt nicht an die Möglichkeit oder
Nützlichkeit ewigen Friedens. Allein der Krieg steigert sämtliche
Energien des Menschen zu ihrer höchsten Anspornung”, so die völlig
verdrehte Auffassung Mussolinis.
FRANCISCO FRANCO
Große Ähnlichkeit mit
dem Faschismus hatte auch die Diktatur von General Francisco Franco
(1892-1975) in Spanien. Er war nach dem Spanischen Bürgerkrieg, in dem
ihn Hitler und Mussolini militärisch unterstützt hatten, 1939 an die
Macht gekommen. Dann ging er jedoch auf Abstand zu den beiden und
hielt sich auch aus dem 2. Weltkrieg heraus. Der „Caudillo” (Führer)
Franco konnte sich bei seiner uneingeschränkten Herrschaft auf treu
ergebene Armeeoffiziere, bürgerliche Konservative und Monarchisten
stützen, und sie alle einte eine tiefe Verbundenheit mit der
katholischen Kirche. Aber schon nach wenigen Jahren leitete Franco
eine „Entfaschisierung” seiner Falange-Partei ein. Er ersetzte
radikale durch gemäßigtere Kräfte und erklärte Spanien sogar wieder
zur Monarchie – allerdings ohne König. Franco amtierte als Herrscher
auf Lebenszeit bis zu seinem Tod im Jahr 1975.
Faschistische Parteien überall
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| In vielen Ländern bildeten sich in der Zeit
zwischen den Weltkriegen faschistische Bewegungen und Parteien
nach italienischem Vorbild heraus: in Belgien u. a. die Rexisten;
in Dänemark die Dänische Nationalsozialistische Arbeiterpartei (DNSAP),
in Frankreich die Action française und Le Faisceau; in
Großbritannien die British Union of Fascists (BUF); in Kroatien
die Ustascha; in Lettland die Donnerkreuzler; in Litauen der
Eiserne Wolf; in den Niederlanden die Nationaal-Socialistische
Beweging der Nederlanden (NSB); in Norwegen die Nasjonal Samling;
in Österreich die Heimwehr und die NSDAP; in Polen die Falanga;
in Portugal die Nationalen Syndikalisten; in Rumänien die Legion
des Erzengels Michael (Eiserne Garde); in Schweden die
Schwedische Nationalsozialistische Partei (SNP) und die
Nationalsozialistische Arbeiterpartei (NSAP); in der Schweiz die
Frontisten; in Spanien die Falange; in Südafrika die Grauhemden;
in Ungarn die Pfeilkreuzler usw. |
Für Kinder und
Jugendliche
verfasst von: Roland Detsch
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