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Steinzeit
Ihre muskulösen
Körper sind mit zottigen Fellen notdürftig bedeckt, die Haut ist von
der Sonne und vom Schmutz dunkel gegerbt. Lange filzige Haare hängen
ihnen um die niedere Stirn. Bei den Männern verdeckt ein dichtes
Bartgestrüpp die breit vorgewölbten Kiefer mit den kräftigen Zähnen.
Während die Kinder der Sippe draußen vor dem Höhleneingang spielen
und in den Felsen herumklettern, lagern die Erwachsenen um ein
kleines Feuer und plaudern. Ihre Worte bestehen aus einfachen
Lauten, die sie bellend hervorstoßen und mit großen Gesten
unterstreichen. In einem Winkel der Höhle liegen die Reste eines
Tierkadavers. Die Männer hatten Jagdglück. Nach wochenlanger
Wanderschaft, auf der es meist nicht viel mehr zu essen gab als
Beeren, Nüsse, Pilze, Wurzeln, Maden oder Würmer, können sie nun
endlich einmal wieder ausrasten. Seit Tagen schlagen sie sich schon
die Bäuche bis zum Platzen voll. Rohes Fleisch verdirbt um diese
Jahreszeit sehr rasch, und wer weiß, wann es wieder welches gibt. So
ungefähr könnte das Leben unserer Vorfahren in der Steinzeit
ausgesehen haben.
Lebenserwartung in der Steinzeit
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| Alte Menschen gab es in den steinzeitlichen
Sippen so gut wie keine. Die wenigsten Erwachsenen dürften das
40. Lebensjahr erreicht haben. Die Kindersterblichkeit war
sehr hoch, und die Männer hatten höchstwahrscheinlich mehr als
nur eine Frau. |
SEINE STÄRKE WAR KLUGHEIT
Das Leben der
Steinzeitmenschen war alles andere als leicht. Die Zeiten waren hart
und gefährlich. Wilde Tiere, feindliche Horden, Eis und Schnee,
Krankheiten und Erschöpfung machten ihnen schwer zu schaffen. Vor
allem aber war der Hunger ein ständiger Begleiter auf ihren langen
Wanderschaften. Besonders im Winter, wenn die Pflanzenwelt wenig
Nahrhaftes hergab. Dann mussten sie sich nicht selten mit den
abgenagten Knochen begnügen, die die Raubtiere von ihrer Beute
hinterließen. Doch obwohl sie weder über die Klauen und die Stärke
der Bären noch über die Reißzähne und die Schnelligkeit der Wölfe
verfügten, waren die Urmenschen diesen Tieren dennoch voraus. Denn
sie wussten, dass diese kläglichen abgenagten Knochen noch eine
kräftige Mahlzeit enthielten. Man brauchte nur ein geeignetes
Werkzeug aus Stein und die eigenen Hände, um aus den Knochen
köstliches, nahrhaftes Mark herausschlagen zu können. Um dazu in der
Lage zu sein, brauchte man Verstand, und darüber verfügte der
Urmensch im Gegensatz zu den Tieren.
Dieser Fähigkeit zur
Anfertigung und zum Gebrauch von Steinwerkzeugen verdankt die
älteste und längste Epoche der Menschheitsgeschichte auch ihren
Namen. Die Steinzeit begann in Mitteleuropa vor rund 1,2 Millionen
Jahren und endete um das Jahr 2200 v. Chr., als sich die Menschen
hier erstmals Metall zunutze machten. Da die Urmenschen im Lauf
dieses ungeheuer langen Zeitraums natürlich nicht immer gleich
gelebt und sich weiterentwickelt haben, gliedert man die Steinzeit
in drei Abschnitte.
EUROPÄISCHE ALTSTEINZEIT
(1,2 MILLIONEN BIS 8000 V. CHR.)
Die Altsteinzeit –
der Fachbegriff lautet Paläolithikum – ist am längsten her, und sie
hat auch am längsten gedauert. Von ihren Anfängen wissen wir so gut
wie nichts – außer dass die Menschen in dieser Zeit erstmals
einfache Werkzeuge aus Stein herstellten. Erste einfachste
Steinwerkzeuge, die so genannten Geröllgeräte (sie wurden aus Geröll
hergestellt), tauchten vor etwa 2,5 Millionen Jahren in Ostafrika
auf, also dort, wo sich der Mensch entwickelte. Das bedeutendste
Gerät der Altsteinzeit aber war der Faustkeil. Er tauchte vor 1,5
Millionen Jahren auf, ebenfalls zuerst in Ostafrika, und für die
nächsten 1,4 Millionen Jahre war er das bevorzugte Hilfsmittel im
Überlebenskampf. Ein Faustkeil ist ein spitz zulaufender Stein mit
scharfen Kanten, der hervorragend in der Hand liegt. Mit dem
Faustkeil lässt sich Jagdbeute ebenso gut zerlegen wie Brennholz.
LERNFÄHIG UND LERNWILLIG
Die Menschen, die
zu den lernfähigen und vor allem auch lernwilligen Primaten (Affen
und Halbaffen) zählen, konnten dank ihrer Sprachbegabung alles, was
sie sich an Wissen und Erfahrung aneigneten, besser an ihre
Nachkommen weitergeben als ihre nächsten Verwandten, die
Menschenaffen. In der Altsteinzeit gab es noch mehrere
unterschiedliche Arten von Menschen. Bei uns in Mitteleuropa lebte
vor etwa 120 000 bis 30 000 Jahren der Neandertaler. Obwohl er im
Lauf der Zeit neben den althergebrachten Steinwerkzeugen auch Geräte
aus Hirschgeweih, Knochen und Holz herzustellen lernte, verlief sein
Leben dennoch jahrtausendelang mehr oder minder im selben Trott.
Feuerstein und Faustkeil
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| Die Steinzeitmenschen verwendeten für ihre
Faustkeile hauptsächlich Feuersteine und Quarze. Das sind
Gesteinsarten, die leicht absplittern und dabei scharfe Kanten
bilden. Die Splitter wurden zu weiteren Werkzeugen
verarbeitet. Im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte fügten die
Menschen ihnen Holz, Knochen, Horn oder Geweihstücke bei. |
KÜNSTLER DER STEINZEIT
Dies änderte sich
urplötzlich vor etwa 40 000 Jahren. Funde belegen, dass die
Urmenschen in Europa jetzt innerhalb von „nur” wenigen Jahrtausenden
einige bemerkenswerte kulturelle und technische Entwicklungssprünge
vollführten. Auf einmal begannen sie Figuren zu modellieren, Höhlen
zu bemalen, sich schönere Kleider anzufertigen und ihre Toten
aufwendiger zu bestatten. Sie erfanden neuartige Geräte aus Stein
und Holz wie Speerschleudern oder Pfeil und Bogen, und sie fertigten
sich Gebrauchsgegenstände aus Knochen, Horn und Elfenbein an. Manche
Sippen zogen auch aus den feuchtkalten Höhlenwohnungen in zeltartige
Behausungen um und bauten sich herdförmige Feuerstellen.
UNSER VORFAHRE BETRITT DIE BÜHNE
All diese
plötzlichen Neuerungen brachte wahrscheinlich der moderne Homo
sapiens mit, der um diese Zeit in Mitteleuropa einwanderte. Um
sich eine Vorstellung zu machen, wie er aussah, musst du nur in den
Spiegel gucken: Denn er war der Vorfahre des modernen Menschen. Der
moderne Homo sapiens verdrängte allmählich den Neandertaler,
mit dem er 10 000 Jahre lang friedlich nebeneinander lebte, der
Neandertaler begann auszusterben.
Sein besonderes
Talent zeigte unser Vorfahre in den Zeiten extremer
Klimaschwankungen am Ende der Altsteinzeit, die vielen Arten den
Garaus machten. Hier bewies er eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit
an veränderte Lebensbedingungen.
Der Neandertaler
stellte bereits tolle Werkzeuge aus Hirschgeweih, Knochen, Holz und
Stein her. Der moderne Homo sapiens war noch perfekter: Er
machte sich scharfe Steinklingen und schuf daraus Werkzeuge, mit
denen man sogar sägen und bohren konnte.
Höhlenmalerei
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| Die Höhlenkunst gehört zu den ergreifendsten
Zeugnissen menschlicher Urgeschichte. Die Felsmalereien von
Lascaux (Frankreich) und Altamira (Spanien), aber auch
Tierfigürchen und kleine Statuetten künden von reger Phantasie
und Denkfähigkeit. Die Kunstwerke entstanden während der
Eiszeit, als weite Teile Europas am Ende der Altsteinzeit mit
Gletschern überzogen waren. Die meisten Fundorte befinden sich
in Frankreich (150), Spanien (128) und Italien (21). |
EUROPÄISCHE MITTLERE STEINZEIT
(8000-5600 V. CHR.)
Mit dem Ende der
Eiszeit in Mitteleuropa vor rund 10 000 Jahren begann die Mittlere
Steinzeit, das Mesolithikum. Flüsse, Seen und dichte Wälder
entstanden. Die Herden der Steppentiere wie Wildpferd und Rentier
wanderten ebenso nach Norden ab wie das Mammut, dem es hier zu warm
wurde.
Die Menschen
mussten sich nun auf neue Beutetiere wie Hirsche, Rehe, Auerochsen,
Wildschweine, Vögel und Fische verlegen. Doch die Umstellung war
nicht leicht. Weil sich diese Tiere nicht so leicht jagen ließen,
musste man raffiniertere Waffen bauen. Für die Ernährung der
mittelsteinzeitlichen Jäger gewannen aber auch Pflanzen wie
Wildgemüse, Kräuter, Früchte und Nüsse an Bedeutung. Weil der
Speiseplan abwechslungsreicher wurde und genügend Beutetiere da
waren, konnten die Jäger und Sammler der Mittleren Steinzeit nun
ihre Lagerplätze über längere Zeit nutzen. Vielleicht hat das manche
von ihnen auf den Geschmack gebracht, es einmal mit einer
sesshafteren Lebensweise zu versuchen.
Die veränderte
Nahrungsgrundlage spiegelte sich in den Werkzeugen wider.
Mahlsteine, Beile und Äxte kamen auf. Es entstanden neue Waffen, die
mit einer Vielzahl so genannter Mikrolithen bewehrt waren: kleinen
Feuersteinsplittern, die in die Schäfte von Harpunen, Speeren oder
Pfeilen eingesetzt wurden.
Merkwürdigerweise
scheinen nach der Eiszeit die großartigen Kunstfertigkeiten der
Altsteinzeit wie die Höhlenmalerei oder die Herstellung von
Skulpturen aufgegeben worden zu sein. Kunstobjekte und Schmuckstücke
aus der Mittleren Steinzeit sind ausgesprochen selten. Vielleicht
hatte man für die schönen Dinge des Lebens in den harten Zeiten der
Klimaumstellung keine Muße mehr. Oder man schuf nun Kunstgegenstände
aus Holz, die sich über so lange Zeit nicht erhalten haben.
Gleichberechtigung in der Steinzeit
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| In der Gesellschaft der Mittelsteinzeit
herrschte offenbar Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau.
Das kann man daran erkennen, dass Mann und Frau in den
gleichen Gräbern bestattet wurden. Auch der Wert der
Grabbeigaben - bei den Männern Feuersteinmesser, Knochendolche
und Äxte, bei den Frauen Perlen aus Tierzähnen und Bernstein -
unterschied sich kaum. |
EUROPÄISCHE JUNGSTEINZEIT
(5600-2200 V. CHR.)
Während in der über
eine Million Jahre langen Phase der Alt- und Mittelsteinzeit das
Leben der Urmenschen im Grunde stets seinen gewohnten Gang ging, kam
es in der Jungsteinzeit, dem Neolithikum, zu einer entscheidenden
Veränderung: Fast überall auf der Welt gaben die Menschen ihr
Nomadenleben als Jäger und Sammler auf und ließen sich als Bauern
und Viehzüchter nieder. Dieser Wandel der Lebensweise war derart
umwälzend, dass man von der „Neolithischen Revolution” spricht. Im
Vorderen Orient, ungefähr in der Gegend des heutigen Irak, wurden
die Menschen allerdings schon viel früher sesshaft als in
Mitteleuropa. Hier ließen sie sich schon um 8000 v. Chr. in festen
Siedlungen nieder, weshalb man den Beginn der Jungsteinzeit für
diese Region auf 8000 v. Chr. festgelegt hat.
Mit der Entdeckung
eines völlig neuen Materials endete um 2200 v. Chr. in Mitteleuropa
(in anderen Gegenden schon früher) die Steinzeit. Zwar verwendete
man auch weiterhin noch Steinwerkzeuge, aber Waffen und viele andere
Geräte sowie Schmuck wurden nun aus Metall, genauer gesagt: aus
Bronze hergestellt. Die Bronzezeit hatte begonnen.
Jäger und Sammler
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| In der Alt- und Mittelsteinzeit sicherten die
Menschen ihren Lebensunterhalt durch die Jagd und das Sammeln.
Mit Lanzen, Holzspeeren und Wurfhölzern jagten sie große
Tiere, und auch Fallenstellen und die Treibjagd waren bekannt.
Lagerplätze richtete man in Höhlen und unter Felsdächern ein.
Die Nutzung des Feuers war seit etwa 300 000 Jahren bekannt. |
Für Kinder und
Jugendliche
verfasst von: Roland Detsch
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