Agrarkommunismus

Sozialistische Zielvorstellung einer Agrarreform durch Enteignung des privaten Grundbesitzes, Kollektivierung und Neuordnung der Nutzungsrechte des Bodens.

Agrarsozialistisches Gedankengut findet sich bereits Anfang des 19. Jahrhundert in den Schriften von Thomas Spence und Charles Hall, der die Verstaatlichung von Grund und Boden sowie dessen Aufteilung in Domänen mit staatlichem Heimfallsrecht empfahl, sowie bei den „rationalen Sozialisten" um den Belgier Colins (1783-1859) und François Huet. Am meisten Widerhall hat der bäuerliche Kollektivierungsgedanke in England (John Stuart Mill, Herbert Spencer, Alfred Russel Wallace), in den USA (Henry George) und in Deutschland (Michael Flürscheim, Theodor Hertzka, Adolf Samter) gefunden, wo privates Grundeigentum und Bodenspekulation sehr ausgeprägt waren. Sein theoretisches Fundament erhielt der Agrarkommunismus als Endergebnis der proletarischen Revolution auf dem Lande aber erst im Marxismus und Leninismus. Am entschiedensten wurde er von Mao Tse-tung vertreten, der in der Riesenmasse der chinesischen Bauern einen natürlichen Bündnispartner der Kommunisten sah. Sun Yatsen, der die Parole „Jedem Pflüger sein Feld" ausgab, rückte die kommunistische Agrarreform in den Mittelpunkt seiner sozialpolitischen Vorstellungen.

Verfasst von:
Roland Detsch

 

(© Microsoft ENCARTA®)