Bense, Max
(1910-1990)
Deutscher
Philosoph, Mathematiker, Physiker und Schriftsteller. In seinem
Werk setzte er sich vor allem mit einer Philosophie der Technik,
Texttheorie, Logik und Semiotik auseinander.
Bense
wurde am 7. Februar 1910 in Straßburg geboren und studierte
Mathematik, Physik und Philosophie in Bonn, Köln und Basel. Nach
zwei Jahren als Physiker in einem Industriebetrieb übernahm er
1946 eine außerordentliche Professur in Jena. Hier entstanden
erste Arbeiten über Ludwig Klages, Sören Kierkegaard und Georg
Wilhelm Friedrich Hegel. 1949 wurde Bense Professor für
Philosophie der Technik, Wissenschaftstheorie und mathematische
Logik an der Technischen Hochschule Stuttgart, wo er bis 1976
lehrte. Nach 1967 gab er Semiosis. Zeitschrift für Semiotik
und ihre Anwendung heraus. Bense starb am 29. April 1990
in Stuttgart.
Im
Zentrum von Benses Studien steht der Glaube an eine
anthropologische Vorherrschaft der Intelligenz. Mit seinen
Untersuchungen zur maschinellen Textproduktion und seinen eigenen
literarischen Werken, die literarische Gewohnheiten zu
durchbrechen suchen, den materiell-klanglichen Eigenwert der
Sprache herausstellen und inhaltliche Kriterien im Sinn
hermeneutischer Betrachtung gänzlich außer Acht lassen, wirkte
Bense vornehmlich auf die konkrete Poesie, namentlich auf Ludwig
Harig, Helmut Heißenbüttel, Reinhard Döhl, Eugen Gomringer und
Franz Mon (Bestandteile des Vorüber, 1961; Entwurf
einer Rheinlandschaft, 1962; Die Zerstörung des Durstes
durch Wasser. Einer Liebesgeschichte zufälliges Textereignis,
1967). Auf diese Weise sollte auch eine neue Sicht auf die
Realität möglich werden: „der Kontakt mit der Welt besteht in
Aussagen über die Welt, und Aussagen über die Welt sind Aussagen
über Prädikate, die einem Objekt zukommen" (nur glas ist
wie glas, 1970). Dabei bediente sich der Autor vornehmlich der
Erkenntnisse der Informationstheorie, wonach der innovative Gehalt
eines Textes sich aus der statistischen Unwahrscheinlichkeit ihres
strukturellen Gefüges (also ihrer Dichte an „Information")
ergab.
Zu
Benses philosophischen bzw. semiotischen Schriften gehören Konturen
einer Geistesgeschichte der Mathematik. Die Mathematik und die
Wissenschaften (2 Bde., 1946-1949), Philosophie als
Forschung (1947), Technische Existenz (1949), Descartes
und die Folgen (2 Bde., 1955-1960), Theorie der Texte
(1962), Aesthetica (1965), Semiotik (1967), Artistik
und Engagement (1970), Zeichen und Design: semiotische
Ästhetik (1971), Das Universum der Zeichen (1983), Kosmos
Atheos (1985), Repräsentation und Fundierung der
Realitäten (1986), Nacht-Euklidische Verstecke (1988)
und Der Mann, an den ich denke (posthum 1991). 1997
erschienen Ausgewählte Schriften in vier Bänden.
Verfasst von:
Thomas Köster
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