Spanischer
Dramatiker. Er gilt als der letzte bedeutende Vertreter des
Goldenen Zeitalters der spanischen Literatur sowie als Erneuerer
des Dramas.
1.LEBEN
Calderón wurde am 7. Januar 1600 in Madrid geboren,
besuchte dort die Jesuitenschule und studierte Theologie und Jura
an der Universität von Salamanca. Mit 23 Jahren schrieb er
sein erstes Theaterstück und nahm erfolgreich an einem
Dichterwettbewerb zu Ehren des heiligen Isidor von Sevilla, des
Schutzpatrons von Madrid, teil. Sein Ruf als großartiger
Bühnenschriftsteller verbreitete sich schnell, und nach dem Tode
des spanischen Dramatikers Lope de Vega 1635 galt Calderón als
der bedeutendste Dramatiker jener Zeit. 1636 gab sein Bruder José
einen Band mit seinen Stücken heraus, darunter das Versdrama La
vida es sueño (1635, Das Leben ein Traum), das
allgemein als sein Meisterstück und als eines der größten
europäischen Dramen und als Höhepunkt der Traumdichtung
betrachtet wird. Es zeichnet sich durch hohe Gedankendichte und
philosophischen Symbolismus aus. Die im Titel enthaltene These
wird mit religiösen Prinzipien überzeugend dargelegt.
1635
wurde Calderón Hofdramatiker von König Philipp IV.; dieser
ernannte ihn ein Jahr später zum Ritter des Orden de Santiago
de la Espada. 1640 schloss sich Calderón einem Feldzug zur
Unterdrückung des Aufstands Kataloniens gegen die Krone an. Aus
seinen folgenden zehn Lebensjahren ist nur bekannt, dass man ihn
1651 zum Priester weihte. 1653 wurde Calderón Domherr der
Kathedrale von Toledo und 1666 zum Königlichen Hofgeistlichen
ernannt. Danach wandte er sich vor allem dem Schreiben seiner Autos
sacramentales (spanische Fronleichnamsspiele) zu,
allegorischen geistlichen Dramen, in denen die moralischen Aspekte
des Lebens betont und das Geheimnis der Heiligen Eucharistie auf
einzigartige Weise dargestellt werden. Calderón starb am
25. Mai 1681 in Madrid.
2.
WERK
Sowohl wegen seiner geistlichen als auch wegen seiner
weltlichen Stücke gilt Calderón als einer der größten
spanischen Dramatiker. Der weniger für die breite Masse
schreibende Autor entwickelte die spanische Comedia weiter zur
opernhaften Zarzuela. Auf meisterhafte Weise gab er den
traditionellen Autos sacramentales eine künstlerische
Form. Abstrakte Konzepte der römisch-katholischen Theologie
stellte er in diesen geistlichen Dramen durch Metaphern
anschaulich dar und machte sie so für sein Publikum
zugänglicher. Zwei Stücke dieser Gattung, El gran teatro del
mundo (1649, Das große Welttheater) über die
dramatische Idee des Welttheaters und La cena del rey Baltasar
(um 1634, Das Nachtmahl des Königs Balthasar), gehören zu
den bedeutendsten Fronleichnamsspielen und werden noch heute in
Spanien aufgeführt. Calderóns weltliche Stücke handeln vor
allem von der Verehrung der Kirche und der Verherrlichung des
kastilischen Ehrenkodexes, der vom Ehemann, Vater oder Bruder
verlangt, die Untreue der Ehefrau zu bestrafen. Zu Calderóns etwa
120 Comedias, 80 Autos sacramentales und
30 kleinere Stücke umfassenden Gesamtwerk gehören Dramen,
die auf historischen Ereignissen und Legenden basieren, wie El
alcalde de Zalamea (1642, Der Richter von Zalamea),
mythologische Dramen wie La hija del aire (1653, Die
Tochter der Luft), so genannte „Mantel-und-Degen-Stücke"
wie die Komödie La dama duende (1629, Die Dame Kobold)
und Casa con dos puertas (um 1629, Das Haus mit zwei
Türen), die Ehrendramen wie El médico de su honra (um
1629, Der Arzt seiner Ehre), philosophische Stücke wie El
mágico prodigioso (1637, Der wundertätige Magus) und La
vida es sueño (Das Leben ein Traum) sowie das späte
mythologische Drama La estatua de Prometeo (1669, Die
Statue des Prometheus).
3.
NACHWIRKUNG
Mit seinem schriftstellerischen Schaffen wirkte Calderón de
la Barca auf die gesamte Dramatik der Folgezeit. In der Romantik
etwa beeinflussten seine Theaterstücke u. a. Clemens
Brentano und Zacharias Werner, der 1810 die am Werk des Spaniers
orientierte Schicksalstragödie Der vierundzwanzigste Februar
herausbrachte. Maßgeblich wurde hier August Wilhelm Schlegels
Abhandlung Spanisches Theater, (2 Bde., 1803-1809).
Albert Camus bearbeitete Calderón La Devoción de la Cruz
für die Bühne.
Verfasst von:
Thomas Köster