Christlichsoziale Partei (CP)

Führende Partei in der Ersten Republik Österreich.

1891 aus christlich-sozialen Arbeitervereinen hervorgegangen, entwickelte sich die CP von einer Partei der Arbeiter, Bauern und Teilen des Klerus zu einer kaiser- und monarchietreuen Bürger- und Bauernpartei, später – nach der Angliederung der Konservativen Partei 1907 – schließlich zur Massenpartei. In Opposition zur marxistischen SDAP und den Deutschnationalen vertrat sie unter dem Einfluss des Wiener Moraltheologen Franz Martin Schindler sozialkonservative, föderalistische Positionen und rief mit antisemitischen Parolen zum Kampf gegen den „judäo-magyarischen Liberalismus" auf. Erst unter der Führung des Wiener Bürgermeisters Karl Lueger rückte die CP ihre antisemitische Programmatik in den Hintergrund und verkündete von nun an mit wachsendem Erfolg katholisch-sozialreformerische Thesen.

Von 1907 bis 1911 stellte die CP mit 96 Abgeordneten die stärkste Fraktion im Reichsrat, und von 1918 bis 1934 war sie Regierungspartei. Seit den dreißiger Jahren vertrat die CP zunehmend einen autoritären Kurs; der christlichsoziale Bundeskanzler Engelbert Dollfuß schaltete am 4. März 1933 das Parlament aus und regierte fortan mit Notverordnungen in doppelter Frontstellung gegen Sozialdemokraten und Nationalsozialisten. 1934 ging die CP in der von Dollfuß gegründeten, ständestaatlich orientierten Vaterländischen Front auf.

Verfasst von:
Roland Detsch

 

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