Du Maurier, Daphne
(1907-1989)

Britische Schriftstellerin. Bekannt wurde sie mit spannenden, psychologisch einfühlsamen Romanen wie Rebecca (1938) und The Birds (1952; Die Vögel). Viele ihrer Romane und Erzählungen wurden von Alfred Hitchcock verfilmt. Sie war die Enkelin von Georges Louis Palmella Busson Du Maurier.

Du Maurier wurde am 13. Mai 1907 in London geboren und erhielt zusammen mit ihren Schwestern Privatunterricht. Im Alter von 18 Jahren schrieb sie ihre ersten Erzählungen, die 1952 in dem Sammelband The Apple Tree (Küß mich noch einmal, Fremder) erschienen. 1932 heiratete sie den Generalmajor Sir Frederick Browning und bezog 1943 mit ihrer Familie den Landsitz Menabilly in Cornwall. Du Maurier starb am 19. April 1989 in Par (County Cornwall).

Schauplatz vieler der Werke Du Mauriers ist die Landschaft Cornwall, wie beispielsweise beim Erfolgsroman Jamaica Inn (1936; Gasthaus Jamaica), dessen Handlung in Schmugglerkreisen in einem verrufenen Gasthaus an der englischen Küste spielt und die verworrene Beziehung der Geschlechter zueinander zum Thema hat. Er wurde 1939 unter der Regie von Alfred Hitchcock verfilmt. Du Mauriers bekanntester Roman jedoch ist sicherlich Rebecca (1938), der von Lesern und Literaturkritik begeistert aufgenommen und 1940 ebenfalls von Hitchcock mit Joan Fontaine und Laurence Olivier in den Hauptrollen verfilmt wurde. Eingebettet in eine spannende Rahmenhandlung schildert Rebecca aus der Sicht einer jungen Frau aus einfachen Verhältnissen die Geschichte einer Ehe, die durch den mysteriösen Tod der ersten Frau des Ehemannes, eines Adeligen und Schlossherrn, überschattet wird. Als die junge Frau erfährt, dass man ihren Mann des Mordes verdächtigt, erreicht der raffinierte Thriller seinen Höhepunkt. In ihrem folgenden Roman Frenchman’s Creek (1941; Die Bucht des Franzosen) kombinierte Du Maurier wie schon in früheren Werken erfolgreich Elemente des Abenteuer- und Liebesromans.

Obgleich mitunter als konventionell und melodramatisch kritisiert, vermochten Du Mauriers Romane und Erzählungen durch einfühlsame Charakterzeichnung, spannende Handlungsführung und subtile Psychologie breite Leserschichten zu überzeugen. Durch diese Qualitäten boten sie sich immer wieder auch für Literaturverfilmungen an, so auch der Roman My Cousin Rachel (1951; Meine Cousine Rachel); er wurde 1953 erfolgreich verfilmt. Du Mauriers Erzählung The Birds (1952; Die Vögel) nutzte Hitchcock 1963 für eine seiner berühmtesten Adaptionen, indem er den allmählichen Angriff der durch die Vögel symbolisierten Natur gegen den Menschen über die Vorlage hinaus zu einer Vision apokalyptischen Ausmaßes steigerte (mit Rod Taylor, Tippi Hedren und Jessica Tandy). Don’t Look Now (1971; Dreh dich nicht um) diente 1973 als Vorlage für Nicolas Roegs grandioses Meisterwerk Wenn die Gondeln Trauer tragen mit Julie Christie und Donald Sutherland. Geschildert wird die Geschichte eines britischen Künstlerehepaars, das nach dem Unfalltod seiner Tochter in Venedig auf zwei ältliche Schwestern trifft, von denen die eine seherische Fähigkeiten hat, und nach allerlei rätselhaften Vorkommnissen in die Katastrophe schlittert. Wenn die Gondeln Trauer tragen besticht vor allem durch seinen Bildaufbau und die subtile Farbgebung.

Du Maurier verfasste außerdem historische Romane, Theaterstücke sowie Biographien über ihren Vater, den Schauspielagenten Gerald du Maurier, und ihre Familie (1937; Kehrt wieder, die ich liebe). Weitere Werke sind die Romane The Progress of Julius (1933; Karriere), Frenchman’s Creek (1941; Die Bucht der Franzosen), The King’s General (1946; Des Königs General), Mary Anne (1954), The Scapegoat (1957; Der Sündenbock), The Glassblowers (1963; Die Glasbläser), The Fight of the Falcon (1965; Das Geheimnis des Falken) und Rule Britannia (1972; Die standhafte Lady) sowie die Erzählungen Not After Midnight (1971; Spätestens in Venedig) und The Rendezvous and Other Stories (1980).

Verfasst von:
Thomas Köster

 

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