Episches Theater
Von
Bertolt Brecht unter Anlehnung an den Begriff der Epik verwendete
Bezeichnung für eine von ihm praktizierte und geprägte
Darstellungsform des modernen Theaters.
Mit
Mitteln des Verfremdungseffekts und der Provokation soll es dem
Zuschauer ermöglicht werden, sich von dem Geschehen zu
distanzieren. Die Darstellung soll nicht zur Identifikation
einladen, sondern zur Interpretation. Brecht meinte, dass mit diesem
dramaturgischen Effekt es dem Zuschauer möglich sei,
gesellschaftliche Verhältnisse bzw. Missstände besser zu erkennen.
Epische
Elemente sind u. a. ins Publikum (oder „beiseite")
gesprochene Kommentare durch einen Erzähler, Lieder, Spruchbänder
oder Textprojektionen. Der Schluss des Schauspiels, dessen Handlung
dem klassischen Aufbau der aristotelischen Dramaturgie
zuwiderläuft, ist im dialektischen Sinn offen, um dem Betrachter
ein abschließendes Urteil selbst zu überlassen.
Zu
den wichtigsten Beispielen des epischen Theaters gehört die Oper Aufstieg
und Fall der Stadt Mahagonny (1930; Text: Bertolt Brecht, Musik:
Kurt Weill). Von der Konzeption wurden wiederum viele Werke des
modernen Musiktheaters beeinflusst, darunter Christophe Colomb
(1930) von Darius Milhaud oder Die Verurteilung des Lukullus
(1951; nach Brecht) von Paul Dessau. Brechts episches Theater wirkte
in der jüngeren Vergangenheit vor allem auf Peter Weiss und Heiner
Müller.
Verfasst von:
Roland Detsch
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