Spanischer Dichter.
Er gilt als bedeutendster Dichter der spanischen Literatur und des
spanischsprachigen Raums. Vor allem kommen ihm große Verdienste
als Erneuerer des spanischen Dramas zu.
1.
LEBEN
García Lorca wurde am 15. Juni 1898 in Fuentevaqueros in
der Provinz Granada geboren und studierte Philosophie, Literatur
und Rechtswissenschaften in Granada und Madrid. Dort wurde er in
die Kreise moderner Schriftsteller und Künstler aufgenommen und
lernte u. a. Salvador Dalí, Luis Buñuel und Rafael Alberti
kennen. Zwischen 1919 und 1934 lebte er hauptsächlich in Madrid,
wo er Theateraufführungen arrangierte und in Lesungen seine
Gedichte der Öffentlichkeit vorstellte. Die frühen Dichtungen
erschienen gesammelt in seinem ersten Gedichtband Libro de
poemas (1921). 1922 organisierte García Lorca zusammen mit
dem Komponisten Manuel de Falla erstmals ein Festival des cante
jondo, einer altandalusischen Richtung der Zigeunermusik, die
mit ihrem schwermütigen und zutiefst tragischen Gesang sein Werk
wesentlich beeinflusste. Poema del cante jondo (Dichtung
vom tiefinnern Sang) war auch der Titel seines 1931
erschienenen Gedichtzyklus, den er bereits zum Festival fertig
gestellt hatte.
García
Lorcas erstes erfolgreiches Bühnenwerk war das historische Drama Mariana
Pineda (1928). Mit seinen leidenschaftlichen Zigeunerromanzen
(1928, Romancero gitano) machte sich der Autor sowohl unter
den Gebildeten als auch in der spanischen Bevölkerung einen Namen
und wurde zum führenden Vertreter der spanischen Autorengruppe
„Generation von 1927". Als äußerst vielseitige
Künstlerpersönlichkeit arbeitete er auch als Maler, Komponist
und Pianist; seine Musikalität spiegelt sich in Rhythmus und
Melodie seiner klangvollen Gedichte wider. Zwischen 1929 und 1930
lebte García Lorca in New York und Kuba; in dieser Zeit
entstanden die Gedichte, die später in seinem posthum
veröffentlichten Werk Poeta en Nueva York (1940, Dichter
in New York) zusammengefasst wurden. In diesem Band brachte er
sein Grauen angesichts der Rohheit der mechanisierten Gesellschaft
in stark kontrastierenden Metaphern zum Ausdruck. Nach seiner
Rückkehr nach Spanien im Jahr 1931 leitete er das staatlich
geförderte Studententheater La Barraca, das vor allem in
ländlichen Gebieten und Arbeiterstädten spielte. Auf dem Lande
angesiedelt ist auch seine in lebhafter symbolischer Sprache
abgefasste Tragödie Bodas de sangre (1933, Bluthochzeit),
die auf eine wahre Begebenheit zurückgeht und Eifersucht und den
Tod zweier Rivalen im Kampf um eine Frau zum Inhalt hat. Mit
diesem Stück leitete García Lorca eine neue Phase in der
Entwicklung des modernen poetischen Theaters ein.
In den
darauf folgenden Jahren entstanden die großen Tragödien Yerma
(1934) und La casa de Bernarda Alba (entstanden 1933 bis
1936, aufgeführt 1945, Bernarda Albas Haus) sowie die
Tragikomödie Doña Rosita la soltera (Uraufführung 1935,
posthum 1938, Doña Rosita bleibt ledig oder Die Sprache
der Blumen). Während eines Aufenthalts in Granada wurde
García Lorca in den Wirren des ausbrechenden Spanischen
Bürgerkrieges festgenommen und ohne Urteil am 19. August
1936 bei Viznar erschossen.
2.
WERK
Die Macht des Schicksals, die menschliche Leidenschaft, das
Ehrgefühl, Liebe und die Allgegenwart des Todes sind zentrale
Themen von García Lorcas literarischem Werk, das in der Kultur
Andalusiens verwurzelt ist, die Heimat mythisch überhöht und
Einflüsse sowohl der arabischen Kultur und der Schriften Luis de
Góngora y Argote als auch der Lebenswelt der Zigeuner (der „Gitos")
aufweist. Er schildert elementare Gefühle und Konflikte des
Menschen und zeigt, wie Traum und Wirklichkeit einander
durchdringen. In seine Dramen flossen sowohl Elemente
volkstümlicher Musik wie auch Poesie des Surrealismus ein. Seine
melodische und reine Sprache ist stark lyrisch und romantisch
geprägt und zeichnet sich durch ungewöhnliche, bisweilen
komplizierte Metaphern aus. Zu den weiteren Werken des Autors
zählen die Dramen La zapatera prodigiosa (1930, Die
wundersame Schustersfrau), Así que pasen cinco años
(entstanden 1931, posthum herausgegeben 1938, Sobald fünf
Jahre vergehen), Retablillo de don Cristóbal (1931, Das
kleine Don-Cristóbal-Retabel), Amor de don Perlimplín con
Belisa en su jardín (1933, In seinem Garten liebt Don
Perlimplín Belisa) und El público. La comedia sin título
(2 Stücke, posthum 1976 und 1978, Das Publikum. Komödie
ohne Namen) sowie die Lyriksammlungen Canciones (1927),
Diván del Tamarit (posthum 1981, Diwan des Tamarit),
Sonetos del amor oscuro (posthum 1948, Sonette der
dunklen Liebe) und das tragische Gedicht auf den Tod eines
Stierkämpfers Llánto por Ignacio Sánchez Mejías (1935).
Verfasst von:
Thomas Köster