Glucksmann, André
(*1937)
Französischer
Philosoph und Schriftsteller. Er ist ein zentraler Vertreter der
so genannten Neuen Philosophen, die in ihrer
Auseinandersetzung mit dem Marxismus eine dezidierte Kritik
totalitaristischer Systeme entwarfen.
Glucksmann
wurde am 19. Juni 1937 als Sohn deutsch-jüdischer Emigranten
in Boulogne-sur-Mer geboren. Bekannt wurde er 1967 mit der
Abhandlung Le discours de la Guerre, die er am Centre
National de la recherche Scientifique anfertigte. Glucksmann weist
der Philosophie die Aufgabe zu, vehement gegen menschliche
Unzulänglichkeit und Unmündigkeit vorzugehen (La bêtise,
1985; Die Macht der Dummheit). Eine rein akademische,
methodisch strenge Philosophie lehnt er deshalb ab. Das Denken
muss sich nach praktischen Erwägungen unter sozialen
Fragestellungen ausrichten und deshalb zwangsläufig politisch
sein. Es hat die Aufgabe, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit
zu wecken und ihr kritisches Bewusstsein zu schulen. Ziel ist vor
allem die Aufdeckung allgemeiner Strukturen staatlicher Gewalt.
Versuche der Bürokratie und des Militärs, sich unentbehrlich zu
machen, bedürfen nach Ansicht Glucksmanns einer entschlossenen
Gegenwehr.
Aus
der Perspektive eines Funktionsverständnisses eines Denkens, das
flexibel sein muss, um sich den Formen der Oppression stellen zu
können, entfaltet Glucksmann auch die Geschichte der
europäischen Philosophie, die er in ihrer Hauptlinie als
traditionell antiideologisch und freiheitlich begreift, wobei er
sich beispielhaft u. a. auf Michel Montaigne und Jean Bodin
beruft. Für die Gefährdung der Freiheit innerhalb der
abendländischen Philosophie steht für ihn das doktrinäre
Weltbild Platons und in der von ihm begründeten Traditionslinie
u. a. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Karl Marx und Friedrich
Nietzsche. Wichtige Werke Glucksmanns sind Les Maîtres
Penseurs (1977; Die Meisterdenker), Cynisme et
Passion (1981; Vom Eros des Westens) und La Force du
Vertige (1983; Die Philosophie der Abschreckung).
Verfasst von:
Andreas Vierecke
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