Amerikanischer
Schriftsteller. Mit dem lakonisch-knappen Stil und der
desillusionierenden Weltsicht vor allem seiner Short Storys wirkte
er nicht nur auf die Entwicklung der amerikanischen Literatur
nachhaltig. Auch auf die deutsche Literatur der Nachkriegszeit,
namentlich auf Heinrich Böll und Wolfdietrich Schnurre, übten
seine Kurzgeschichten entscheidenden Einfluss aus.
1.
LEBEN
Hemingway wurde am 21. Juli 1899 in Oak Park (Illinois)
geboren. Nach wenigen Monaten als Reporter meldete er sich
freiwillig als Sanitäter beim Roten Kreuz und war im
1. Weltkrieg als Sanitätsfahrer in Italien. Später
wechselte er zur Infanterie und wurde schwer verwundet, eine
Erfahrung, die sich – ebenso wie der Selbstmord seines Vaters
– in seinen Arbeiten nachhaltig niederschlug: 1929 noch
verarbeitete Hemingway seine Erlebnisse in A Farewell to Arms
(In einem anderen Land). Nach dem Krieg zunächst Journalist
beim Toronto Star, ließ sich Hemingway während der
zwanziger Jahre in Paris nieder, wo er im Salon von Gertrude Stein
zu der Schriftstellergruppe amerikanischer Emigranten um Ezra
Pound und Francis Scott Fitzgerald stieß. Von diesen zum
Schreiben ermutigt, avancierte Hemingway mit dem Erzählband In
Our Time (1925; In unserer Zeit) schnell zum zentralen
Vertreter der Lost generation, die die enttäuschenden Erfahrungen
des Krieges und das sinnentleerte Lebensgefühl ihrer Generation
thematisierten. Dem Roman The Sun also Rises (1926; Fiesta)
steht eben dieses Schlagwort Gertrude Steins von der „verlorenen
Generation" als Motto voran.
1927
erschien die Sammlung Men Without Women (Männer ohne
Frauen), in die die grandios komponierte und atmosphärisch
dichte Short Story The Killers (Die Killer) Eingang
fand. Nach 1927 folgten längere Aufenthalte in Florida, Afrika,
auf Kuba und in Spanien, wohin Hemingway während des Spanischen
Bürgerkrieges als Kriegsberichterstatter zurückkehrte. Von
seinem politischen Engagement gegen das Franco-Regime zeugen
zahlreiche Reportagen sowie das Drama The fifth column, das
in die englische Ausgabe The Fifth Column and the First
Forty-nine Stories (1938; 49 Stories) aufgenommen
wurde. Der Band enthält auch die Meistererzählungen The Short
Happy Life of Francis Macomber (Das kurze glückliche Leben des
Francis Macomber) über das krisenhafte
Abhängigkeitsverhältnis eines amerikanischen Ehepaares und The
Snows of Kilimanjaro (Schnee auf dem Kilimandscharo)
über die Erkenntnis eines Schriftstellers, sein Leben versäumt
zu haben.
Im
Spanischen Bürgerkrieg – wie auch später im 2. Weltkrieg
– nahm Hemingway an zahlreichen Schlachten teil. Eine
eindrucksvolle Parabel auf menschliche Unterdrückung im
Faschismus gelang ihm mit seinem umfangreichsten Roman, For
Whom the Bell Tolls (1940; Wem die Stunde schlägt).
Danach versiegte langsam seine Schaffenskraft. Der Kurzroman Across
the River and into the Sea (1950; Über den Fluß und in
die Wälder) gar wirkt beizeiten unfreiwillig komisch. 1954
wurde Hemingway der Nobelpreis für Literatur zuerkannt. Am Ende
seines Lebens wurde der Schriftsteller vom Verfall seiner
körperlichen Kräfte aufgezehrt. 1960 erschien mit dem
Gedichtband Collected Poems sein letztes zu Lebzeiten
herausgegebenes Buch. Er erschoss sich am 2. Juli 1961 in
Ketchum (Idaho). 1986 sorgte die Veröffentlichung des Romans The
Garden of Eden (Der Garten Eden) nochmals für eine
(äußerst kontrovers geführte) Diskussion. Aus seinem Nachlass
sind annähernd 3 000 Manuskriptseiten noch nicht
veröffentlicht.
2.
WERK
Im Zentrum von Hemingways teils autobiographischen, immer aber
auch Zeitgeschichte reflektierenden Kurzgeschichten und Romanen
steht zumeist das Thema menschlichen, zumeist männlichen Leidens,
oftmals in der Grenzsituation des Todes, des Sterbens im Krieg
oder der Gewalt. Ein Netz aus Symbolen und Metaphern verweist
dabei immer wieder auf eine unter der Oberfläche der Fabel
verborgene – existentielle – Erzählkomponente, die es in der
Lektüre zu entschlüsseln gilt. Bei allem Lakonismus einer
emotionslosen Sprache neigt die Darstellung der Figuren im
individuellen Kampf mit der Natur bzw. Mann gegen Mann im Duell
(etwa in der Boxarena) beizeiten doch zum pathetischen Heroismus.
Dies wird auch in Hemingways Reportagen über den Stierkampf – Death
in the Afternoon (1932; Tod am Nachmittag) – und
über eine von ihm selbst unternommene Großwildsafari – Green
Hills of Afrika (1935; Die grünen Hügel Afrikas) –
deutlich. In seinem letzten großen Werk, The Old Man and the
Sea (1952; Der alte Mann und das Meer), mit dem er die
Bravour früherer Werke kurzzeitig wieder erreichen konnte, sind
beide Aspekte miteinander verknüpft: Der nach tagelangem Kampf
vom Protagonisten erlegte riesige Fisch, von dessen Verkauf dieser
monatelang hätte leben können, wird letztlich doch von Haien
gefressen. Am Ende steht das Credo des alten Mannes, der sich
stoisch in die Niederlage fügt: „Aber der Mensch darf nicht
aufgeben ... Man kann vernichtet werden, aber man darf nicht
aufgeben."
3.
VERFILMUNGEN
Einige von Hemingways Romanen und Erzählungen wurden
erfolgreich verfilmt, so Wem die Stunde schlägt (1951,
Regie Sam Wood, mit Gary Cooper und Ingrid Bergman), wobei der
Plot des gleichnamigen Romans allerdings größtenteils auf die
Liebesgeschichte reduziert erschien, und Schnee auf dem
Kilimandscharo (Schnee am Kilimandscharo, Regie Henry
King, mit Gregory Peck, Susan Hayward, Ava Gardner und Hildegard
Knef). Nach The Killers schuf Robert Siodmak einen
Klassiker der so genannten Schwarzen Serie und machte Burt
Lancaster als Schauspieler bekannt; u. a. John Huston schrieb
das Drehbuch. Unter dem Titel Tod eines Killers gelang Don
Siegel 1964 ein eigenständiges Remake, in dem etwa Lee Marvin,
John Cassavetes und Ronald Reagan auftraten. Auch Der alte Mann
und das Meer wurde gleich zweimal prominent verfilmt, und zwar
1958 (Regie John Sturges, mit Spencer Tracy) und 1989 (Regie Jud
Taylor, mit Anthony Quinn und Gary Cole). Hemingway selbst schrieb
und sprach den Kommentar im Film Spanische Erde von 1957.
Verfasst von:
Thomas Köster