Jesuitenstaat

Bezeichnung für den von Spanien als Bollwerk gegen die portugiesische Expansion tolerierten Missionsstaat des Jesuitenordens in Paraguay im 17. und 18. Jahrhundert.

Ab 1609 fassten jesuitische Missionare hunderte von Dörfern der Guaraní am Río de la Plata zu so genannten Jesuitenreduktionen (Zufluchtsorten) mit jeweils rund 10 000 Einwohnern zusammen, um in ihnen in völliger Abgeschiedenheit von der Außenwelt einen „christlichen Kommunismus" zu praktizieren. Sie bekehrten die Guaraní (unter Zwang) zum Christentum, unterwiesen sie in der Landwirtschaft und ließen sie auf Plantagen arbeiten, deren Produkte für den Export nach Europa bestimmt waren. Um ihr Staatsgebilde nach außen abzusichern, errichteten die Ordensbrüder Festungen, stellten Truppen auf und unterhielten eine Flotte auf dem Río Paraguay.

Nach der Abtretung ihrer Gebiete an Portugal ab 1750 leisteten sie den neuen Herren im Land, deren Autorität sie nicht anerkennen wollten, über ein Jahrzehnt lang Widerstand. 1761 unterlagen die Jesuiten den spanisch-portugiesischen Truppen und mussten 1768 Paraguay endgültig verlassen.

Verfasst von:
Roland Detsch

 

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