Volkstümliche
Bezeichnung für die vor allem in Süddeutschland gehäuft
anzutreffenden Reste von Erdgevierten mit umlaufendem Spitzgraben
und einem nach Westen, Süden oder Osten, aber nie nach Norden
orientierten Tor.
Im
19. Jahrhundert hat Johann Nepomuk Ritter von Raiser in seiner
Darstellung „Der Oberdonaukreis des Königreichs Bayern unter den
Römern" die „Viereckschanzen" erstmals erfasst und sie
als römische Befestigungen oder Gutshöfe gedeutet. 1931 vertrat
Friedrich Drexel die Theorie, wonach es sich bei den Anlagen um
Heiligtümer gehandelt haben könnte. Neuere Befunde lassen
allerdings eher auf landwirtschaftliche Anlagen schließen. So wurde
etwa in der „Schanze" von Fellbach-Schmiden ein tiefer,
holzverschalter Brunnen (datiert ins Jahr 123 v. Chr.)
freigelegt. Auf der Sohle des 20 Meter tiefen Schachtes fanden
sich gut erhaltene geschnitzte Tierfiguren aus Eichenholz. Siegwalt
Schiek entdeckte in einer „Viereckschanze" bei Ehningen Reste
zahlreicher Pfostenbauten, die das Bild eines Bauernanwesens
vermittelten. Jedoch gibt es noch immer keine zweifelsfreie Deutung
der Anlagen.
Keltenschanzen
könnten Versammlungsorte von Priestern gewesen sein, von denen
Julius Caesar aus dem Lande der Carnuten (Gallien) berichtete,
öffentliche Gerichtsplätze oder auch umzäunte
Volksspeisungsplätze, wie sie der Avernerkönig Loverios
unterhalten haben soll. Am wenigsten trifft ihre wahre Bestimmung
wohl die schon genannte Bezeichnung „Viereckschanze", denn
bei keiner Schanze fanden sich Hinweise, dass sie als militärische
Wehranlage oder Fort gedient hätte.