Koch, Erich
(1896-1986)

Deutscher Politiker (NSDAP), Gauleiter (ab 1928) und Oberpräsident von Ostpreußen (ab 1933), Reichskommissar in der Ukraine (1942-1944).

Erich Koch wurde am 19. Juni 1896 in Elberfeld bei Wuppertal als Sohn eines Werkmeisters geboren. Im Anschluss an eine kaufmännische Ausbildung trat er in den Dienst der Deutschen Reichsbahn, bis er 1915 im 1. Weltkrieg zum Fronteinsatz eingezogen wurde. Nach dem Krieg schloss sich Koch den Freikorps an, kämpfte 1921 in Oberschlesien gegen polnische Freischärler und unterstützte 1922 Leo Schlageter bei der Organisation des Ruhrkampfes im französisch besetzten Rheinland.

Im selben Jahr trat er der als Ersatz für die verbotene NSDAP gegründeten Großdeutschen Arbeiterpartei und der paramilitärischen SA der Nationalsozialisten bei. 1926 wegen seiner politischen Gesinnung aus dem Staatsdienst bei der Eisenbahn entlassen, schlug er eine hauptamtliche Parteikarriere bei der NSDAP ein und zählte dort anfangs zum Flügel um Gregor Strasser. 1927 stieg Koch zum stellvertretenden NSDAP-Gauleiter an der Ruhr auf, und 1928 übernahm er die Gauleitung in Ostpreußen.

1930 zog Koch als NSDAP-Abgeordneter in den Reichstag ein und drängte nach Hitlers Machtübernahme 1933 Wilhelm Kutscher aus dem Amt des Oberpräsidenten von Ostpreußen. In dieser Funktion profilierte er sich durch die Inszenierung von „Arbeitsschlachten” zur Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit und tat sich besonders 1939 bei der Umsetzung des „Euthanasie”-Programms hervor, indem er 1 558 Patienten aus Heil- und Pflegeanstalten der „Liquidierung” durch die SS zuführte. Durch seine Brutalität und Linientreue empfahl sich Koch, der seit Beginn des 2. Weltkrieges auch über polnisches Territorium herrschte, für den Chefposten im neu geschaffenen Reichkommissariat in der besetzten Ukraine (ab 9. Mai 1942), wo er Hunderttausende in die Vernichtungslager deportieren ließ.

Auf der Flucht vor der Roten Armee kehrte Koch 1944 nach Ostpreußen zurück und tauchte nach dem Krieg unter, bis er im Mai 1949 von der britischen Besatzungsbehörde in Hamburg aufgespürt wurde. Trotz eines sowjetischen Auslieferungsersuchens wurde er nach Polen überstellt, wo ihn 1959 ein Gericht in Warschau wegen der Ermordung von 400 000 Polen zum Tode verurteilte. Das Urteil wurde später in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. Erich Koch starb am 12. November 1986 im Gefängnis von Barczewo, ehemals Wartenburg in Ostpreußen.

Verfasst von:
Roland Detsch

(© cpw)