Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU)

Von 1952 bis zu ihrer Auflösung 1991 offizielle Bezeichnung der seit der Oktoberrevolution 1917 herrschenden Staatspartei in der UdSSR.

1. EINLEITUNG
Hervorgegangen war die Partei aus der 1903/12 formierten Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands/Bolschewiki (SDAPR (B)), die sich 1918 in Kommunistische Partei Russlands/Bolschewiki (KPR (B)) umbenannte, 1925 in Kommunistische Allunionspartei/Bolschewiki und 1952 schließlich in Kommunistische Partei der Sowjetunion ohne den Zusatz „Bolschewiki". Im deutschen Sprachraum und in deutschsprachigen Dokumenten der Internationale lief die Partei seit 1925 unter der Abkürzung KPdSU.

2. ORGANISATION  
Die Organisation der KPdSU bzw. ihrer Vorläuferinnen folgte dem von Wladimir I. Lenin vertretenen Konzept der „Partei neuen Typus’". Sie entwickelte sich aus einem elitären Zirkel von Berufsrevolutionären, der als Avantgarde des Proletariats den Klassenkampf auf dem Weg zum politischen Umsturz in Russland angeführt hatte, zu einer Organisation linientreuer Kader, die die politisch-ideologische Führungsrolle in Staat und Gesellschaft der Sowjetunion wahrnahm. Anders als zahlreiche andere kommunistische Parteien der Welt verstand sich die KPdSU durchaus nicht als Massenorganisation. Nur ein verhältnismäßig kleiner Prozentsatz – im Höchstfall nur gut sechs Prozent – der sowjetischen Bevölkerung hatte ein Parteibuch, wobei Neubewerber nur auf Empfehlung von Parteimitgliedern und nach einjährigem Kandidatenstatus aufgenommen wurden.

Organisatorische Grundprinzipien der KPdSU waren der demokratische Zentralismus (formaldemokratisch legitimierte Organe, hierarchischer Parteiaufbau), die monolithische Einheit (straffe Parteidisziplin, Verbot der Fraktionsbildung) und die kollektive Führung. Die Partei gliederte sich dabei nach dem Territorial- und dem Produktionsprinzip in vier Organisationsebenen: Neben der Gesamtpartei auf Unionsebene existierten 14 regionale Parteiorganisationen in den Unionsrepubliken und autonomen Gebieten, ferner örtliche Parteiorganisationen in den Kreisen, Städten und Bezirken sowie als Grundorganisationen die so genannten Zellen am Arbeitsplatz.

Die organisatorische Struktur der KPdSU war geprägt durch Hierarchien aus Exekutivkörperschaften („Komitees", „Büros", „Sekretariate") auf allen Ebenen, die als ständige Parteibehörden mit hauptamtlichen Mitarbeitern fungierten. In Reinform zeigte sich dies auf Unionsebene, wo der alle vier Jahre tagende Parteikongress, formell das oberste Parteiorgan, das Zentralkomitee (ZK) wählte. Das ZK wiederum wählte das Politbüro (1952 bis 1966 als Präsidium bezeichnet) und das Sekretariat des ZK sowie den Generalsekretär als Vorsitzenden dieser beiden höchsten Parteiinstanzen. Das Politbüro gab die politischen, ideologischen und organisatorischen Leitlinien vor; das Sekretariat, dessen Mitglieder für einzelne Fachressorts, die „Abteilungen des ZK", zuständig waren, sorgte für die Durchführung der vom Politbüro getroffenen Entscheidungen und Beschlüsse auf allen Ebenen der Partei. Generalsekretär, Politbüro und Sekretariat als der engste Führungskreis der Partei bestimmten damit de facto den innen- und außenpolitischen, den gesellschafts-, wirtschafts- und kulturpolitischen Kurs der Sowjetunion.

Dank seiner beherrschenden Stellung im Parteiapparat verkörperte der Generalsekretär, der sich durch geschickte Ausnutzung seines Monopols bei der Personalpolitik langfristig Politbüro und Sekretariat gefügig machen konnte, die eigentliche Führungsspitze in der Partei und damit auch im Staat.

3. HERRSCHAFT DER PARTEI DURCH TRANSMISSION  
Das Dogma von der führenden Rolle der Partei gegenüber dem Proletariat bzw. Volk implizierte zugleich die Autorität der KPdSU gegenüber den staatlichen und gesellschaftlichen Organisationen. Im Gegensatz zum Marxismus, der die Partei nach der revolutionären Machtergreifung durch das Proletariat im Grundsatz für überflüssig erachtet, betrachtet sie der Leninismus als Vermittler und Multiplikator im Sinn des gesellschaftlichen und politischen Fortschritts des Kommunismus für unabdingbar.

Dementsprechend wurde die KPdSU durch ihre unmittelbare und maßgebliche Beteiligung an der Ausübung staatlicher Funktionen zum institutionellen Bestandteil des Sowjetstaats. Dabei war der Parteiapparat durchaus nicht in den (formell selbständigen) Staatsapparat integriert. Dass die Partei den staatlichen Institutionen jedoch de facto übergeordnet war, äußerte sich u. a. in ihrem Monopol auf die langfristige Planung (z. B. Fünfjahrespläne), in ihrer Weisung gegenüber staatlichen Organen durch Parteidirektiven („Sozialnormen") oder in der faktischen Richtlinienkompetenz der Parteiführung gegenüber dem Ministerrat. Als eine der wichtigsten Stützen der Parteiherrschaft galt die Politische Hauptverwaltung (PHV) der KPdSU bei den sowjetischen Streitkräften, die sich in Zusammenarbeit mit dem kommunistischen Jugendverband Komsomol um die politische und ideologische Erziehung der Soldaten kümmerte.

Verfasst von:
Roland Detsch

 

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