Konstitution (Philosophie)
(von lateinisch constitutio: Zustand, Verfassung, Begriffsbestimmung)

In der Philosophie Bezeichnung für die grundlegenden Eigenschaften und Bedingungen eines Bestimmten. 

Bei Immanuel Kant ist die Erkenntnis ein Konstitutionsprozess, in dessen Verlauf die sinnlichen Erfahrungen mittels vom Verstand formulierter Begriffe gedacht und mit Hilfe der Urteilskraft nach bestimmten Regeln geordnet werden. Bedingungen jeder Gegenstandserfahrung sind demnach konstitutive Prinzipien, die a priori, d. h. unabhängig von der Erfahrung, im Bereich der Vernunft vorgegeben sind (Kategorien), denn „Anschauungen ohne Begriffe sind leer". In der Konstitutionsforschung Edmund Husserls wird in Rekurs auf die entsprechenden Begriffe im Neukantianismus gezeigt, wie das Sein bestimmter Gegenstände durch Leistungen des Seienden innerhalb des Bewusstseins erbracht wird. Rudolf Carnap bereichert das Konstitutionssystem des Positivismus, für den das einzige „Material der Erkenntnis im unverarbeiteten, erlebnismäßig Gegebenen liegt", um „Grundrelationen", die die gleiche Funktion haben wie die kantischen Kategorien.

Verfasst von:
Roland Detsch

 

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