Massenorganisation
Allgemein
Bezeichnung für Verbände jeglicher Art, in denen sich breite
Schichten der Bevölkerung sammeln; im Besonderen die in
totalitären Regimen gezielt zur Mobilisierung, Kontrolle und
Beeinflussung des Volkes, d. h. als Herrschaftsinstrument
aufgebauten mitgliederstarken Organisationen.
Massenorganisationen
in demokratischen Staaten wie etwa Gewerkschaften, große Parteien,
Jugendverbände etc. sind autonom und dienen in erster Linie der
solidarischen Bündelung gemeinsamer Interessen gegenüber anderen
Institutionen, einflussreichen Gruppen oder dem Staat.
Im
totalitären Staat dagegen sind die Massenorganisationen vom Staat
bzw. der Staatspartei gelenkt und fungieren als Hauptträger der
politischen Willensbildung bzw. Indoktrination. Idealerweise sollte
jeder Staatsbürger von einer oder gar mehreren Massenorganisationen
erfasst werden und somit in jedem Lebensbereich – angefangen von
der Erziehung, Ausbildung und Arbeit bis hin zur Kunst, Kultur und
Freizeit – der zentralen Lenkung und propagandistischen
Beeinflussung verfügbar sein.
Totalitäre
Massenorganisationen fanden sich im Faschismus und
Nationalsozialismus (z. B. Deutsche Arbeitsfront (DAF), Kraft
durch Freude (KdF), Hitler-Jugend (HJ) etc.) ebenso wie im
kommunistischen Ostblock (z. B. die sowjetische
Jugendorganisation Komsomol, Freier Deutscher Gewerkschaftsbund
(FDGB), Freie Deutsche Jugend (FDJ) etc.). Zwar war die
Mitgliedschaft in diesen und ähnlichen Massenorganisationen im
Prinzip freiwillig; de facto aber wirkte sich die
Nichtmitgliedschaft negativ auf die sozialen und beruflichen
Aufstiegsmöglichkeiten aus.
Verfasst von:
Roland Detsch
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