Nichts (Philosophie)

Im philosophischen Sprachgebrauch je nach Weltbild Ausdruck für das Gegenteil von Sein, für das Nicht-Sein oder das Noch-Nicht-Sein.

Bei den Vorsokratikern herrschte Uneinigkeit, ob es überhaupt ein Nichts geben könne oder nicht. Während Parmenides das Nicht-Sein und damit auch die Vorstellung von Werden und Vergehen leugnete, war für Demokrit das Nichts gleichbedeutend mit der Leere, in dem sich das Seiende aus Atomen formiert. Für Aristoteles stellt das Nichts lediglich eine Kategorie der Logik im Sinne von „das Unmögliche", „das Unwirkliche" oder „das nicht Seiende" etc. dar, während bei den Eleaten und im Neuplatonismus aus der dialektischen Spannung von Nichts und Sein das Werden erwächst.

Im frühen Mittelalter stellte das Nichts die göttliche Dimension dar, aus der heraus die Welt erschaffen wurde. Der Scholastiker Johannes Duns Scotus unterschied zwischen dem absoluten Nichts und dem relativen Nichts mit der potentiellen Möglichkeit zum Wirklich-Sein. In der idealistischen Philosophie Georg Wilhelm Friedrich Hegels ist das unbestimmte Unmittelbare des Seins identisch mit dem Nichts, da das Sein in das Nichts und das Nichts in das Sein umschlägt. Für die Existenzphilosophie erlaubt die diffuse Vorstellung des Nichts und seine Erfahrung in der Angst, etwa bei Martin Heidegger, überhaupt erst eine Ahnung des Seienden. Bei Jean Paul Sartre ist das Nichts das Fürsichsein (menschliches Dasein), aus dem sich in Freiheit das Individuum konstituiert.

Verfasst von:
Roland Detsch

 

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