Intellektuelle
Auseinandersetzung über die Deutung des Pantheismus von Baruch
Spinoza um die Wende zum 19. Jahrhundert.
Auslöser
war das in Briefform abgefasste und an den Freund Lessings, Moses
Mendelssohn, gerichtete Spinozabüchlein des Schriftstellers
Friedrich Heinrich Jacobi, in dem das Bekenntnis Lessings zu
Spinozas Pantheismus enthüllt wird. In einem dokumentierten
Streitgespräch mit dem Dichter vertrat Jacobi die Auffassung, ein
konsequenter philosophischer Systemanspruch nach dem Modell Spinozas
müsse zwangsläufig in der Aufhebung der Freiheit und im Fatalismus
enden. Jacobi berief sich wiederholt auf Johann Wolfgang von Goethe,
dessen Kritik am Begriff eines persönlichen Gottes auch
Ausgangspunkt des Streitgesprächs mit Lessing war, und vertrat die
Ansicht, dass der Pantheismus Spinozas Freiheit zumindest zum
unlösbaren Rätsel für die Vernunft mache. Diese Thesen stießen
auf den Widerspruch der freiheitsliebenden Spinozisten Friedrich
Wilhelm Joseph von Schelling und Johann Gottlieb Fichte. Goethe
seinerseits kommentierte die Argumentationsschwäche Jacobis bei der
Verteidigung der Freiheit später mit den Worten: „Die
Spekulation, die metaphysische, ist Jacobis Unglück geworden; ihm
haben die Naturwissenschaften gemangelt; und mit dem bisschen Moral
allein lässt sich doch keine große Weltansicht fassen."