In der Bezeichnung
für das sich Zeigende, im übertragenen Sinn auch für etwas in
seiner Erscheinung Ungewöhnliches.
Je nach
philosophischem Standpunkt ist ein Phänomen eine sinnlich
wahrnehmbare Erscheinung, der Schein einer Erscheinung oder die
durch Erfahrung und die Vorstellungskraft bewirkte Erscheinung im
Bewusstsein. Für Platon sind die (scheinhaften) Phänomene die
Abbilder der Ideen, denen er höhere Wirklichkeit zukommen lässt.
Während im naiven Realismus Phänomen und Wirklichkeit in eins
gesetzt werden, sieht der kritische Realismus in ihnen nur die
Zeichen einer dahinter stehenden Wirklichkeit. Bei Immanuel Kant
handelt es sich bei den Phänomenen um vom Verstand gedachte
Gegenstände im Prozess der Erkenntnis (siehe
Phänomenalismus). Die Phänomenologie betrachtet die Welt als ein
Phänomen, das nur als Leistung der reinen transzendentalen
Subjektivität verstanden werden kann. Für Empirismus und
Positivismus sind die sinnlich erfahrbaren Phänomene einzige
Mittel und Schlüssel zur Erkenntnis.