Teilweise polemisch
verwendete Bezeichnung für eine rückschrittliche politische
Haltung, die für die Verteidigung überkommener Staats- und
Gesellschaftsformen eintritt.
In der
Geschichtswissenschaft wird die postrevolutionäre Zeit nach
1848/49 (siehe Märzrevolution) „große europäische
Reaktion" genannt. In Deutschland beginnt sie mit dem
Wiedererstarken politischer Kräfte, die für die Erhaltung der
Standesprivilegien und der königlichen Autorität eintreten,
sowie dem Scheitern der liberalen Einheitsbewegung durch die
Auflösung der Frankfurter Nationalversammlung 1849. Gestärkt
wurden die reaktionären Kräfte durch die Erstürmung des
aufständischen Wien durch Truppen der Habsburger Monarchie
(Oktober 1848). Die oktroyierte preußische Verfassung (Dezember
1848) sah ein an der Steuerleistung orientiertes
Dreiklassenwahlrecht vor, das dem konservativen Besitzbürgertum
die Mehrheit sicherte. Großgrundbesitzer, protestantische Kirche
und Beamtentum unterstützten das Polizeisystem des
Kamarilla-Mitglieds Edwin Manteufel. 1850 wurde im Vertrag von
Olmütz der Deutsche Bund unter Führung Österreichs
wiederhergestellt.
Verfasst von:
Roland Detsch