Schleyer, Hanns
Martin
(1915-1977)
Deutscher
Industriemanager.
Schleyer
wurde am 1. Mai 1915 als Sohn eines Richters in Offenburg
geboren. Bereits 1931 war Schleyer als 16-Jähriger der
Hitlerjugend beigetreten; 1933 trat er in die SS ein. Er studierte
Rechts- und Staatswissenschaften in Heidelberg und Freiburg. Im
Auftrag des Chefs des nationalsozialistischen Sicherheitsdienstes
Reinhard Heydrich übernahm Schleyer 1941 die Leitung des
Präsidialbüros des Zentralverbandes der Industrie für Böhmen
und Mähren.
Nach
seiner Promotion trat er 1951 eine Stelle bei der Stuttgarter
Daimler-Benz AG an. 1963 wurde er Vorstandsmitglied mit dem
Arbeitsbereich Personal-, Sozial- und Bildungspolitik. Seit 1962
engagierte er sich in leitenden Positionen in den
baden-württembergischen Verbänden der Metallindustrie und war in
den harten Tarifauseinandersetzungen 1966 für die Aussperrung
streikender Metallarbeiter verantwortlich. 1968 wurde er in den
Aufsichtsrat der Maybach Mercedes-Benz Motorenbau GmbH
berufen. 1973 übernahm er die Präsidentschaft der
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Vier
Jahre später wurde er an die Spitze des Bundesverbandes der
Deutschen Industrie (BDI) gewählt.
1977
entführte ihn ein Terrorkommando der Rote-Armee-Fraktion (RAF),
um inhaftierte Terroristen freizupressen; gleichzeitig wurde zu
diesem Zweck eine Lufthansa-Maschine gekapert. Nachdem die Geiseln
von der Spezialeinheit des Bundesgrenzschutzes GSG 9 in
Somalia befreit worden waren, begingen die RAF-Häftlinge im
Gefängnis Stuttgart-Stammheim Selbstmord, und Hanns Martin
Schleyer wurde von seinen Entführern am 18. Oktober 1977
getötet. Angehörige erhoben daraufhin den Vorwurf, Schleyer sei
ein Opfer der Staatsraison geworden: Die Bundesregierung unter
Bundeskanzler Helmut Schmidt hätte die Möglichkeit gehabt, eine
Freilassung Schleyers zu erwirken, diese Möglichkeit aber
zugunsten einer harten Linie gegenüber der RAF verworfen.
Verfasst von:
Roland Detsch
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