Deutscher
Politiker und Sozialreformer, Vorreiter in der deutschen
Genossenschaftsbewegung.
Schulze-Delitzsch
wurde am 29. August 1808 in Delitzsch geboren. Er studierte
Rechtswissenschaften in Berlin und arbeitete anschließend als
Anwalt und Richter. 1848 zog er für die Demokraten in die
preußische Nationalversammlung und später ins Abgeordnetenhaus
ein. Als orthodoxer Linksliberaler lehnte er staatliche Hilfen zur
Überwindung der sozialen Probleme ab und rief in seinen Schriften
insbesondere das Handwerk zur Selbsthilfe und zur Dienstbarmachung
des Kapitals auf.
1849
gründete er in seiner Heimatstadt die erste einer ganzen Reihe
von genossenschaftlichen „Assoziationen" als
Selbsthilfeeinrichtung der Schuster und Tischler, der er ein Jahr
später einen als genossenschaftliches Kreditinstitut
organisierten „Vorschussverein" zur Seite stellte
(Volksbank). 1859 fasste er die von ihm initiierten
Genossenschaften – Rohstoff- und Magazingenossenschaften,
Kreditvereine, Konsumgenossenschaften, Krankenkassen und
Produktivgenossenschaften – zum „Allgemeinen Verband der auf
Selbsthilfe beruhenden deutschen Erwerbs- und
Wirtschaftsgenossenschaften" zusammen. Im selben Jahr war er
an der Gründung des Nationalvereins beteiligt, und 1861 gehörte
er zu den Männern der ersten Stunde der Deutschen
Fortschrittspartei (DFP). Ab 1867 saß er für die DFP im
Norddeutschen Reichstag und ab 1871 im Deutschen Reichstag.
Schulze-Delitzsch starb am 29. April 1883 in Potsdam.