Schulze-Delitzsch, Hermann
(1808-1883)

Deutscher Politiker und Sozialreformer, Vorreiter in der deutschen Genossenschaftsbewegung.

Schulze-Delitzsch wurde am 29. August 1808 in Delitzsch geboren. Er studierte Rechtswissenschaften in Berlin und arbeitete anschließend als Anwalt und Richter. 1848 zog er für die Demokraten in die preußische Nationalversammlung und später ins Abgeordnetenhaus ein. Als orthodoxer Linksliberaler lehnte er staatliche Hilfen zur Überwindung der sozialen Probleme ab und rief in seinen Schriften insbesondere das Handwerk zur Selbsthilfe und zur Dienstbarmachung des Kapitals auf.

1849 gründete er in seiner Heimatstadt die erste einer ganzen Reihe von genossenschaftlichen „Assoziationen" als Selbsthilfeeinrichtung der Schuster und Tischler, der er ein Jahr später einen als genossenschaftliches Kreditinstitut organisierten „Vorschussverein" zur Seite stellte (Volksbank). 1859 fasste er die von ihm initiierten Genossenschaften – Rohstoff- und Magazingenossenschaften, Kreditvereine, Konsumgenossenschaften, Krankenkassen und Produktivgenossenschaften – zum „Allgemeinen Verband der auf Selbsthilfe beruhenden deutschen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften" zusammen. Im selben Jahr war er an der Gründung des Nationalvereins beteiligt, und 1861 gehörte er zu den Männern der ersten Stunde der Deutschen Fortschrittspartei (DFP). Ab 1867 saß er für die DFP im Norddeutschen Reichstag und ab 1871 im Deutschen Reichstag. Schulze-Delitzsch starb am 29. April 1883 in Potsdam.

Verfasst von:
Roland Detsch

 

(© Microsoft ENCARTA®)