Skandinavismus
(auch Skandinavianismus
oder Panskandinavianismus)
Bezeichnung
für die Bestrebungen im 19. Jahrhundert zur Vereinigung der
skandinavischen Länder.
Befördert
von philologischen und archäologischen Befunden des späten 18.
und frühen 19. Jahrhunderts, die auf die einstige Einheit
Dänemarks, Schwedens und Norwegens in vorgeschichtlicher Zeit
hindeuteten, formierte sich 1845 in Kreisen der Mittelschicht, der
Akademiker, Studenten, Literaten und Künstler der nordischen
Länder eine Bewegung zur kulturellen, politischen und
wirtschaftlichen Wiedervereinigung Skandinaviens, die nicht
zuletzt unter dem Eindruck des wachsenden Pangermanismus und aus
Sorge über die weitere Expansion des russischen Zarenreiches
rasch an Einfluss gewann.
Zu
einer Politisierung und Radikalisierung des Skandinavismus kam es
im Zusammenhang mit der Schleswig-Holstein-Krise, als schwedische
und norwegische Freiwillige zum Kampf gegen die preußische
Hegemonialpolitik bliesen und in den deutsch-dänischen Kriegen
(1848-1850, 1864) an der Seite Dänemarks kämpften. Nach der
Niederlage König Christians IX. und der im Wiener Frieden
von 1864 erzwungenen Abtretung von Schleswig und Holstein verlor
der Skandinavismus rasch an Strahlkraft, wirkte jedoch vor allem
bei der schwedischen Minderheit in Finnland noch weit ins
20. Jahrhundert nach.
Verfasst von:
Roland Detsch
|