Staatstheorie
aus dem Umfeld des „sozialen Konservativismus", die für eine
über den Klassen stehende neutrale Entscheidungsmacht eintritt und
durch umverteilenden Interventionismus zum Abbau der sozialen
Spannungen und zu einer harmonischen Gesellschaftsordnung beiträgt.
Grundlegend
für den Staatssozialismus war das 1850 erschienene Werk Geschichte
der sozialen Bewegung in Frankreich von 1789 bis auf unsere Tage.
In ihm entwickelt der Nationalökonom Lorenz von Stein unter dem
Eindruck der sozialen Verwerfungen und der Unterdrückungspolitik
des Grund besitzenden Feudaladels und der industriellen
Großbourgeoisie gegen die Arbeiterklasse das Konzept eines
monarchischen Sozialstaats.
Im
Gegensatz zum revolutionären Sozialismus spricht er dem Proletariat
die materiellen und geistigen Fähigkeiten zur Übernahme der
Staatsgewalt ab und baut stattdessen auf ein Königtum, das sich nur
dann behaupten könne, wenn es sich „mit all der Besonnenheit,
Würde und Kraft, welche der höchsten Gewalt im Staate geziemt, im
Namen der Volkswohlfahrt und der Freiheit an die Spitze der sozialen
Reform" stelle. Dabei geht es ihm nicht um die Aufhebung der
Klassengesellschaft, sondern darum, „dass die letzte Arbeitskraft
die Fähigkeit habe, zum Kapitalbesitz zu gelangen". Die
staatssozialistischen Vorstellungen, zu denen auch Karl Rodbertus
und Ferdinand Lassalle beitrugen, hatten wesentlichen Einfluss auf
den Kathedersozialismus.