Volksdemokratie
(von griechisch demos: Volk, krateīn: regieren)

Ursprünglich von Josip Broz Tito geprägter Pleonasmus ("Volksvolksdemokratie") zur Abgrenzung der „Demokratie neuen Typs" im sozialistischen Jugoslawien von den Demokratien des kapitalistischen Westens und dem bolschewistischen System sowjetischer Prägung.

1948 wurde der Begriff von Georgi Dimitrow als allgemeine Bezeichnung für marxistisch-leninistische Systeme mit (pseudodemokratischen) Volksvertretungen übernommen (wobei sich die Sowjetunion nie als Volksdemokratie verstanden hat). Das Wort Volksdemokratie hatte dabei weniger konkreten politisch-systematischen als vielmehr ideologischen Charakter. So meint das Wort „Volk" im sozialistischen Sprachgebrauch auch nicht die Gesamtheit der Bevölkerung, sondern „alle auf Grund ihrer objektiven historischen Stellung und Rolle fortschrittlich handelnden Kräfte einer Gesellschaft" (Kleines Politisches Wörterbuch, Ostberlin 1986).

Als Volksdemokratien bezeichneten sich vor dem Zusammenbruch ihrer sozialistischen Systeme u. a. Polen, Bulgarien, Ungarn, Albanien, Rumänien, die Tschechoslowakei, die Deutsche Demokratische Republik und Nicaragua. Nordkorea heißt bis heute noch offiziell „Koreanische Volksdemokratische Republik". Auch viele so genannte „Volksrepubliken" verstanden sich als Volksdemokratien, so etwa die Mongolische Volksrepublik, die aber schon 1921, also lange vor der Wortprägung durch Tito, entstanden ist.

Verfasst von:
Roland Detsch

 

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