Werden (Philosophie)

Bezeichnung für den Übergangsprozess von einem Entwicklungszustand in einen anderen.

Heraklit etwa sprach den Dingen radikal jegliches Sein ab und sah sie lediglich im ewigen Spiel der Weltbewegung werden und vergehen; ihm zufolge ist das gesamte Universum in ewiger Umwälzung begriffen: Alles fließt, und nichts bleibt, wie es ist. Demgegenüber wurde von den Eleaten um Parmenides dem Sein im Sinne der Körperlichkeit oder Materialität höchste Bedeutung für das Denken beigemessen, während das Werden nur eine scheinbare, nicht wirkliche Veränderung des unvergänglichen Weltstoffs darstellt.

Platon unterschied zwischen dem ewigen Sein der Ideen und der im Werden und Vergehen begriffenen Welt der Erscheinungen. Für Aristoteles nahm das Werden seinen Ausgang von einem unbewegten Beweger, der als Verursacher bzw. Grund (causa) aller Veränderungen auftrat. Diese Position wurde von der mittelalterlichen Scholastik aufgenommen, die – ausgehend vom göttlichen Beweger – das Werden im Spannungsfeld von causa efficiens (Wirkursache) und causa finalis (Zielursache) zu interpretieren versuchte.

In der Wende zur Neuzeit erschien das Werden mehr und mehr von der menschlichen Vernunft beeinflusst oder bestimmt und avancierte zur Grundkategorie des Verständnisses von Entwicklungen in Raum und Zeit.

Verfasst von:
Roland Detsch

 

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