Werfel, Franz
(1890-1945)
Österreichischer
Schriftsteller.
Werfel
wurde am 10. September 1890 in Prag geboren. Er entstammte
einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie in Prag und kam
schon während seines Studiums in Prag, Leipzig und Hamburg mit
den Dichtern des so genannten Prager Kreises, wie Franz Kafka und
Max Brod, in Berührung. Auf Wunsch des Vaters arbeitete Werfel
zunächst in einer Speditionsfirma und absolvierte seinen
Militärdienst. Zwischen 1912 und 1914 war er als Verlagslektor
bei Kurt Wolff in Leipzig tätig. Hier gehörte er 1913 mit Kurt
Pinthus und Walter Hasenclever zu den Initiatoren für die
Sammlung Der jüngste Tag, in der in der Folge führende
Vertreter des literarischen Expressionismus publizierten. Werfel
selbst trat als Verfasser expressionistischer Lyrik hervor, die
Einflüsse Rainer Maria Rilkes und Hugo von Hofmannsthals erkennen
ließ, aber sich auch zum weltumspannenden Neuen Pathos der
Menschlichkeit im Sinn Walt Whitmans bekannte (Der Weltfreund,
1911; Wir sind, 1913; Einander, 1915).
Von
1915 bis 1917 nahm Werfel als Soldat am 1. Weltkrieg teil und
lebte anschließend als freier Schriftsteller in Wien. Seine
frühen dramatischen Versuche im Sinn des Ideendramas (Der
Besuch aus dem Elysium, 1912; Der Spiegelmensch, 1920; Bocksgesang,
1921) blieben außerhalb expressionistischer Kreise ohne
nennenswerte Resonanz. Allerdings rief der Prosaband Nicht der
Mörder, der Ermordete ist schuldig (1920) bei der
konservativen Kritik starken Protest hervor. Bedeutung erlangte
Werfel in erster Linie als Erzähler. Dabei bevorzugte er
historische und biographische Sujets (Verdi, 1924) und
stand zeitlebens spürbar im Spannungsfeld zwischen jüdischer und
christlicher Glaubenstradition, wie nicht zuletzt auch in seinen
essayistischen Schriften zum Ausdruck kommt (Zwischen unten und
oben, posthum 1946). 1929 heiratete Werfel Alma Mahler, die
Witwe Gustav Mahlers, und gewann als Autor zunehmend an Renommee.
Zu dieser Zeit bereiste er Ägypten, Palästina und Italien. Wie
für viele andere zeitgenössische Schriftsteller bedeutete die
Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 auch für Werfel den
Ausschluss aus der Preußischen Akademie der Dichtung und den Gang
ins Exil. 1938 emigrierte er zunächst nach Frankreich, zwei Jahre
später nach spektakulärer Flucht in die USA, wo er seine letzten
Lebensjahre verbrachte und u. a. als Drehbuchautor in
Hollywood sein Glück versuchte. Mit dem Roman Das Lied von
Bernadette (1941) über die als Wunder deklarierten Ereignisse
um die Marienerscheinung von Lourdes war Werfel auch in den USA
sofort erfolgreich. Das Buch wurde 1943 mit großem Publikumsecho
verfilmt.
Neben
verschiedenen hochrangigen Erzählungen, wie Eine blassblaue
Frauenhandschrift (1941), schuf Werfel mit Die vierzig Tage
des Musa Dagh (2 Bde., 1933) sein bedeutendstes Werk, in
dem er den Genozid der Türken an der armenischen Bevölkerung
schilderte. Unter den Emigranten wurde das Werk als Parabel über
den Holocaust im nationalsozialistischen Deutschland gelesen. Sein
Talent als Komödienautor bewies Werfel mit Jacobowsky und der
Oberst (1944), das 1958 mit Curd Jürgens und Danny Kaye
verfilmt wurde. Der Autor starb am 26. August 1945 in Beverly
Hills (Kalifornien). Seine idealutopische Poetologie entwarf der
Autor in Realismus und Innerlichkeit (1931). Weitere Werke
Werfels sind die Dramen Die Versuchung (1913), Schweiger
(1922), Juarez und Maximilian (1924), Paulus und die
Juden (1926), Das Reich Gottes in Böhmen (1930) und Der
Weg der Verheißung (1935), die Romane bzw. Erzählungen Geheimnis
eines Menschen (1927), Der Tod des Kleinbürgers
(1927), Der Abituriententag (1928), Barbara oder Die
Frömmigkeit (1929), Die Geschwister von Neapel (1931),
Kleine Verhältnisse (1931), Jeremias (1937), Der
veruntreute Himmel (1939) und Stern der Ungeborenen
(posthum 1946) sowie die Gedichtbände bzw. lyrische Prosa Der
Gerichtstag (1919), Spielhof. Eine Phantasie (1920), Beschwörungen
(1923) und Schlaf und Erwachen (1935).
Verfasst von:
Thomas Köster
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