Irischer
Schriftsteller. Er war ein führender Vertreter der
Irisch-Keltischen Renaissance innerhalb der irischen Literatur und
gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern des
20. Jahrhunderts.
1.
LEBEN
Yeats wurde am 13. Juni 1865 als Sohn des bekannten
irischen Kunstmalers John Butler Yeats in Sandymount (heute ein
Stadtteil Dublins) geboren. Seine Schuldbildung erhielt er teils
in London und teils in Dublin, wo er auch Kunst studierte. Die
Semesterferien verbrachte Yeats in seiner Heimat, dem westirischen
Sligo. Dort begeisterte er sich für das irische Kulturerbe. 1887
zog er mit seinen Eltern nach London, wo er zunächst unter dem
Einfluss des französischen Symbolismus und der Präraffaeliten
stand und sich mit der englischen Romantik, namentlich mit Percy
Bysshe Shelley und William Blake, befasste. Während dieser Zeit
begann er sich auch für Hinduismus, Theosophie und Okkultismus zu
interessieren. Darüber hinaus verfasste er lyrische Gedichte, in
denen er symbolhaft heidnische Traditionen Irlands beschrieb, wie
z. B. The Wanderings of Oisin (1889) und The Lake
Isle of Innisfree (1893). Während eines Aufenthaltes in
Irland lernte Yeats die berühmte Freiheitskämpferin und
Schauspielerin Maud Gonne kennen, für die er eine lebenslange –
wenn auch unerwiderte – Leidenschaft hegte. Ihr Einfluss
manifestierte sich in vielen seiner frühen Werke und bewirkte,
dass er sich den irischen Nationalisten anschloss, die die
Unabhängigkeit des Landes forderten.
1896
kehrte Yeats nach Irland zurück. Er unterhielt eine
freundschaftliche Beziehung zu der irischen Schriftstellerin Lady
Isabella Augusta Gregory, war häufig auf deren Landsitz Coole
Park, einem Treffpunkt irischer Intellektueller, zu Gast und
begleitete sie auf Reisen durch Italien. Gemeinsam gründeten sie
1904 das berühmte Abbey Theater. Als Theaterdirektor und
Dramatiker trug Yeats wesentlich dazu bei, dass das neu
gegründete Theater internationale Bedeutung erlangte und sich zum
Zentrum einer literarischen Bewegung entwickelte, die als
Irisch-Keltische Renaissance bezeichnet wird. Zu den
Bühnenwerken, die Yeats für das Abbey Theater schrieb, gehören Cathleen
ni Houlihan (1902, Cathleen, die Tochter Houlihans),
ein nationalistisch geprägtes Prosastück mit Maud Gonne in der
Hauptrolle, und die Verstragödie Deirdre (1907). Yeats’
literarisches Spätwerk entstand unter dem Einfluss seiner medial
veranlagten Ehefrau Georgie Hyde-Lees, mit der er seit 1917
verheiratet war. Für sein Schaffen erhielt der Autor 1923 den
Nobelpreis für Literatur. In seinen späteren Jahren setzte Yeats
sein politisches Engagement auch praktisch um, indem er von 1922
bis 1928 Senatsmitglied im neu gegründeten irischen Freistaat
war. Er starb am 28. Januar 1939 im französischen
Roquebrune-Cap Martin (Département Alpes-Maritimes).
2.
WERK
In Yeats’ frühen Gedichten ist eine
romantisch-melancholische Stimmung vorherrschend, mit der der
Autor seine Vorstellung vom Wesen der alten Kelten auszudrücken
suchte. Von seinem Interesse an den keltischen Mythen zeugen auch
der Essayband The Celtic Twilight (1893) und die Sammlung
von Erzählungen in The Secret Rose (1897, Die chymische
Rose). Seine in der Schaffensphase zur Jahrhundertwende
entstandenen poetischen Werke wie z. B. The Wind Among the
Reeds (1899), The Shadowy Waters (1900, Die
schattigen Wasser) und The Green Helmet (1910, Der
goldene Helm) lassen Yeats’ Bestreben erkennen, seine
anfangs weiche Diktion zu straffen. Mystische und symbolische
Elemente spielten nun in seiner Dichtung nur mehr eine
untergeordnete Rolle: Vielmehr zeichnete sich sein Stil durch
Klarheit und Direktheit aus.
Im
Laufe der Jahre entwickelte Yeats seinen komplexen Stil zu immer
größerer Perfektion. Seine Texte der Spätphase gelten als
Höhepunkte seines literarischen Schaffens. In dem in
Zusammenarbeit mit seiner Ehefrau Georgie Hyde-Lees verfassten
mystisch-philosophischen Werk A Vision (1925) erläuterte
er die mythologischen, symbolischen und philosophischen
Hintergründe seiner Dichtkunst und befasste sich mit den ewigen
Gegensätzen von Subjektivität und Objektivität, Kunst und
Leben, Seele und Körper, die seine Weltsicht prägten. Ausdruck
fand Yeats’ Philosophie in seinen wohl bedeutendsten lyrischen
Werken The Wild Swans at Coole (1917), The Tower
(1928, Der Turm) und The Winding Stair (1933, Die
Wendeltreppe). Ferner verfaßte Yeats mehrere Einakter über
den legendären keltischen Helden Cú Chulainn, die gemeinsam als Four
Plays for Dancers (1921) bekannt sind. Diese Dramen
orientierten sich stark am japanischen Nô-Spiel, dem viele der
von Yeats verwendeten bühnentechnischen Elemente wie Masken, Chor
und Tanz entlehnt sind. Bühnenstücke dieser Gattung übersetzte
1913 der amerikanische Dichter Ezra Pound, der zeitweilig in Yeats’
Haus in Sussex als dessen Sekretär lebte. Yeats’ Stücke waren
zur Aufführung in exklusiven Salons vor kleinen Gruppen
kunstbewusster Zuschauer gedacht und weniger für das gemischte
Publikum in den großen Theatersälen. Mit seinen Bühnenwerken
schuf er eine neue Form des poetischen Dramas, in der sich
realistische und mythische Elemente zu stilisierten, ungreifbaren
Traumbildern vereinigen.
Einblick
in die Denkweisen, die Yeats’ Werken zu Grunde liegen, geben
seine autobiographischen Schriften Autobiographies (1927)
und Dramatis Personae (1936). Zu seinem Alterswerk gehören
die Lyriksammlungen A Full Moon in March (1935) und Last
Poems and Two Plays (1939).
Verfasst von:
Thomas Köster