Innenpolitische
Krise im Deutschen Kaiserreich, ausgelöst durch eine rechtswidrige
Militäraktion gegen Demonstranten in Zabern im Elsass 1913.
Infolge
unflätiger Bemerkungen eines Offiziers der deutschen Garnison über
die einheimische Bevölkerung war es im Oktober 1913 in Zabern zu
Unruhen gekommen, die von deutschen Soldaten schließlich gewaltsam
beendet wurden; mehrere Elsässer wurden ohne Rechtsgrundlage
verhaftet. Als der in dieser Situation übergangene Reichskanzler
Theobald von Bethmann Hollweg nach anfänglichem Widerstand
schließlich machtlos auf die Linie des preußischen Kriegsministers
Erich von Falkenhayn einschwenkte und das eigenmächtige Vorgehen
des Militärs auf Geheiß von Kaiser Wilhelm II. öffentlich
deckte, sprach die Mehrheit der aufgebrachten Reichstagsabgeordneten
am 4. Dezember 1913 der Regierung das Misstrauen aus; einige
Parteien, allen voran die SPD, forderten den Rücktritt Bethmann
Hollwegs.
Dass
dieses erste Misstrauensvotum in der Geschichte des Kaiserreichs
ohne Konsequenzen blieb, offenbarte exemplarisch die faktische
Machtlosigkeit von Parlament und Parteien in einem politischen
System, in dem die zivile Regierung nicht dem Reichstag sondern dem
vom Militär dominierten Kaiser verantwortlich war.